Zu Klingers „Paraphrase über den Fund eines Handschuhs“Ich sitz’ auf meinem Bett in heißen Tränen,
auf meinen Knien liegt ein Handschuh zart,
und meine tränenblinden Augen wähnen
die Hand zu sehn, der er verloren ward.
Wo bist du, Hand, die meine Lippen suchen,
nach der ich wandre Land um Land,
um die mir tausend Hände fluchen,
die ich verschmähte, weil ich dich nicht fand.
Auch dieser Tag wie alle schwand vergebens,
den Handschuh fand ich, doch die Hand blieb fern;
vielleicht, ein Zeichen ihres fernen Lebens,
fiel er herab von einem Stern -
und ich kann spähn auf dieser armen Erde
von Jahr zu Jahr - die Hand wird niemals mein -
und schlafe wohl, wenn ich einst sterben werde,
wie heut vor meinem Handschuh einsam ein. Friedrich Kayssler
Aus der Sammlung Morgennebel |