Zur Erinnerung an den 2. Juli 1807(Aufhebung der Belagerung von Colberg.)
Willkommen, alte Stadt von gutem Klange,
Bei dem des Knaben Herz einst höher schlug,
Du warst es, die bei Preußens Niedergange
Zuerst gehemmt des Korsen Geierflug.
Es hielt der wall, dahinter furchtlos, keck
Blieb Mut und Stirn der Streiter unzerrieben;
Hoch Gneisenau und Schill, hoch Nettelbeck,
Und hoch mein "Colberg achtzehnhundertsieben!"
Und als dem ersten Lenz die Lerchen sangen
Nach Rußlands Winter und nach Moskaus Brand,
Und als das Kreuz von Eisen aufgegangen
Mit Gott für König und für Vaterland:
Da hat dein Regiment, ein Waffenblitz
Zu Paaren vor sich her den Hemd getrieben;
"Gefluscht" hat's bei Großbeeren, Dennewitz,
Wie einst bei Colberg achtzehnhundertsieben!
Welch andre Zeit, — als Treue ward geächtet,
Als Sturm und Märzreif unsre Felder traf,
Zur Linken Treubruch knechtend und geknechtet,
Zur Rechten Unentschlossenheit und Schlaf.
Da boten deine Söhne Trotz dem Schelm,
Sie waren ganz die alten noch geblieben,
Und in der Hauptstadt prangte stolz ihr Helm
Im Glanz von Colberg achtzehnhundertsieben.
Wieviel der Siege hast du mit erfochten,
Seit Kaiser Wilhelm seine Heere rief,
Wieviele Kränze hast du treu geflochten
Um Heldenstirnen hoch, um Gräber tief.
So lang die Zukunft deinen Namen nennt,
Sei deiner Hahne auch der Sieg verschrieben;
Hoch heut und immer, neuntes Regiment,
Hoch du, mein Colberg, achtzehnhundertsieben!
Kögel stand 1850 als Einjährig-Freiwilliger
bei dem damals in Berlin garnisonierenden
9. Infanterie-Regiment (Colberg). Er widmete
diesen Festgruß dem Regiment zum 4. Juli 1887. Rudolf Kögel, 1807
Aus der Sammlung Vaterland |