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An meinen Totenkopf

Lieber, einst werd ich, wie du vor Jahrhunderten einstens,
In die Stille des Grabs zu langem Schlafe gelegt.
Nicht mehr schau ich das Licht und nimmer hör ich die Lieder,
Die der Wald und das Meer dem einsam Wandernden singt.
Nimmermehr trink ich den Wein aus hell erklingendem Becher
Bei der Freunde Gelag in abendlich dämmernder Laub.
Nimmermehr schau ich die Sterne in lauen Nächten im Sommer
Stille im Reigentanz gehn, die Freunde heimlicher Lieb.
Nimmer grüß ich am Morgen von einsamem Berge die Sonne,
Wenn über Wäldern und Seen glänzet das goldene Rund.
Nein, ich wohne im Dunkel, im engen Bette des Sarges
Und Erinnerung spielt schmerzlich in Träume hinein.
Niemand wecket mich mehr, der gern ich wieder erwachte,
Wenn ich der Freunde Mund über dem Grabe vernähm.
Doch das dumpfe Falln der Scholln auf den Deckel des Sarges
Ist ja der letzte Ton, den ich entschlafen noch hör.

Und nach manchem Säkulum wohl, wenn längst ich vergessen,
Wirft den Schädel empor des Landmanns wuchtiger Pflug.
Und es kränzet vielleicht ein Mädchen mit Efeu und Weinlaub
Mir auch einmal das Haupt, wie ich sooft dir getan
Und wie ich dir sooft von meiner Hoffnung erzählte,
Raunt dem schweigsamen Freund sie ins verschwiegene Ohr,
Welch ein selig Geheimnis sie tief in dem Busen sich heget,
Das doch der Glücklichen Herz nimmermehr trägt nur allein.
Und so sagt sie's dem Freund, doch droht sie schelmisch, daß nimmer
Er durch ein Lächeln verrät, was ihm zu sagen vergönnt.

Georg Heym
Aus der Sammlung Frühwerk

  
  

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