An die EinsamkeitZu dir nun will ich eilen,
O Port, nach langer Irrfahrt. Nicht versagen
Wirst du es, mich zu heilen
Nach schweren Leidenstagen,
O Port voll Ruh, voll Lust und voll Behagen.
O Strohdach, das die Sorgen
Nicht einließ mit dem bösen Herzeleide,
Darin sich nie verborgen
Mit lächelnd süßem Neide
Verleumdung und das Wort voll falscher Eide.
O Berge voll von Frieden,
Die hoch und hehr sich in den Himmel heben,
Voll Ruhe, so hienieden,
Die an der Erde kleben,
Verschmäh’n, weil sie verzehrt ein Flammenleben.
O Gipfel, gern empfanget,
Nehmt auf den Flüchtling auf der Erde Scheide,
Dem vor der Menge banget,
Vor Mühsal ohne Freude,
Vor falscher Ruh und unverdientem Leide.
Auf euren reinen Triften,
In euren Lüften, in den hellen, klaren,
Genes’ ich von den Giften,
Die mir einst lieblich waren,
Und von Befleckung, die mein Herz erfahren.
Und was noch eingeschrieben
In mein Gehirn von alter Torenweise,
Wie töricht ich’s getrieben
Auf meiner Lebensreise
In Leid und Freud, verwisch’ ich leise, leise.
Wie frei von dem Gewande
Der Leiblichkeit, als wären auch zu nichte
Die altgewohnten Bande,
Wohin den Schritt ich richte,
Geh’ ich in Freud’ und Fried’ und reinem Lichte.
Durch eine Mitleidszähre,
Die trüb an meinem Augenlide hänget,
Seh’ ich, wie auf dem Meere
Das arme Volk sich dränget,
Von salz’ger Flut und Müh’ und Not beenget.
Der Eine lief voll Glücke
Im Hafen ein, auf dass er endlich raste,
Als ihn mit neuer Tücke
Der wilde Sturm erfasste,
Da treibt er hin und mit zerbrochnem Maste.
Der fuhr in böser Stunde
An Klippen, und des Schiffes Rippen sprangen;
Es klafft und geht zu Grunde.
Den hält der Wind gefangen,
Den lässt die Sandbank nicht mehr heimgelangen.
Und Jenem dort umnachtet
Die graue Wasserhose Tag und Sinnen;
Die Fracht, nach der er trachtet,
Neptun wird sie gewinnen.
Ein Andrer ringet schwimmend sich von hinnen.
Zum Kampf denn unbekümmert!
Ist’s möglich doch, dass sich der Arme rette,
Da schon das Schiff zertrümmert?
Dass er auf schwachem Brette
Mit Flut und Stürmen kämpfe um die Wette?
Noch einmal mir willkommen,
Noch hundertmal, du Port in wilden Meeren,
Nie sei ich dir entnommen,
Mag immer ich entbehren,
Was Toren und Verirrte heiß begehren. Moritz Hartmann
Aus der Sammlung Gedichte des Luis de Leon |