KRANKHEITFür T.
Da lieg’ ich nun, zerrüttet und voll Leiden,
Schon eine lange Zeit.
Du solltest solchen Anblick lieber meiden.
Doch Du bist hilfsbereit.
Du hast solch Schmerzenslager nie gesehen
Und leidest mehr als ich.
Ich habe Übung schon im Überstehen,
Und ich bedaure Dich.
Es wird auch diesmal wohl vorüberbrausen.
Doch bleibt ein Rest zurück.
Und da schon früh’re Reste in mir hausen,
Verfall’ ich Stück für Stück.
Du solltest Dir noch einmal überlegen,
Ob solch ein Mann sich lohnt.
Ich denk’, es wär’ für Dich ein wahrer Segen,
Wärst Du mit mir verschont.
Doch wag’ ich nicht, dies frei heraus zu sagen.
Du fühltest Dich bespien.
Es ist nicht Deine Art, in bösen Tagen
Den armen Freund zu flieh’n.
Was ich, für mich zu tun, Dir gern verwehrte,
Verlangst Du als Dein Recht.
Und was ich lange schon in Dir verehrte,
Erweist sich nun als echt.
So muß ich mich dem Wunderbaren fügen
In andachtsvoller Scheu.
Die Krankheit ist beinahe ein Vergnügen
Dank Deiner Lieb und Treu. Heinrich Greif
Aus der Sammlung Dialektik der Liebe |