GebetDu Gott der Armut steh’ mir bei,
Mach’ mich von Reichtum’s Sorge frei —
Gieb mir zurück das Vagantenjahr
In dem ich trotz Armut ein König war.
Hatt’ ich auch nur trock’nes Brot zu fressen
Werd’ ich die Zeit doch niemals vergessen
Da fühlt ich mich frei von Hoffnung beseelt
Die Brust von Kampfesmut gestählt —
Mein ganzer Reichtum das Kleid der Boheme
Ne leichte Bürde — ich trug sie bequem,
Dazu mein Genie — ein sonniges Lachen —
Dies konnte mir niemand streitig machen. —
Nun bin ich den sorglosen Tagen entronnen,
Bin älter geworden, ernst und besonnen,
Streb’ immer mehr dem Ziele zu —
Nun lässt mir Ehrgeiz und Mammon nicht Ruh! —
Je mehr ich verdien’ desto mehr muss ich teilen,
Man sieht mich nur noch zum Rechtsbeistand eilen,
Der soll mich vor Gaunern, Erpressern beschützen
Die beständig auf meine paar Groschen spitzen!
Was hab’ ich von all’ der Verdienerei
Bin ich nicht heiter und glücklich dabei —
Man muss ja zuletzt beim Prozessieren
Noch das Beste den guten Humor verlieren!
Je mehr man verdient, desto grösser die Sorgen,
Da leb’ ich doch lieber von heute auf morgen,
Da bleibe ich lieber der arme Hund,
Doch der frei’ste, fröhlichste Vagabund —
Da will ich lieber weiter pumpen
Als das ehrlich Erworb’ne verlieren an Lumpen
Will lieber auf der Landstrasse wandern
Das Talmiglück gern gönnen den Andern.
Will wieder im Wald und in Scheunen schlafen,
Als tauschen mit reichen Fürsten und Grafen!
Du Gott der Armut steh’ mir bei —
Mach mich von Reichtums Sorge frei!! Danny Gürtler
Aus der Sammlung Persönliches |