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Ans Publikum

Ich kenne Dich, liebes Publikum,
Stand Dir schon oft gegenüber,
Und weiss, wie man mit Dir verkehrt —
Ich habe kein Lampenfieber.

Ich bin ein routinierter Gesell’
Und kenne Deine Launen,
Kannst Dich gebärden wie Du willst,
Mich setzt nichts in Erstaunen.

Mit einer Hyäne vergleich’ ich Dich,
Du musst Deinen Blutdurst stillen,
Und dreimal Wehe dem armen Kerl,
Der Dir nicht tut Deinen Willen.

Um jeden Künstler ist mir’s leid,
Der Dich nicht weiss zu nehmen,
Er kann bei mir in die Schule geh’n,
Ich verstehe Dich zu zähmen!

Ich kenne Deinen guten Geschmack,
Ich kenn’ ihn schon seit Jahren,
Dass Du nur auf die Zote fliegst,
Hab’ ich schon längst erfahren.

Das Edle ist für Dich zu gut,
Kunst kann Dich nicht erlaben —
Doch kommt ‘ne derbe Zote dran —
Dafür bist Du zu haben!

Drum pfleg’ auch ich die Zoterei,
Um’s ja Dir recht zu machen,
Und bring’ ich eine aufs Tapet,
Könnt Ihr sie ruhig belachen.

Doch biet’ ich Euch mal Gutes dar,
So möcht’ ich draus ersehen,
Wie viele denn noch unter Euch,
Die wahre Kunst verstehen.

Sind auch nur einige hier zu Gast,
Die edle Kunst verdienen, —
Bitt’ ich die Wenigen um Gehör —
Mein Lied weih’ ich nur ihnen!

Der Andre aber, der Zoten freund,
Verschliess’ so lang seine Ohren,
Bis er einmal Geschmack bekommt —
Vielleicht wird er ihm geboren!

Ja, ich kenn’ Dich, liebes Publikum,
Ich kenne Deine Launen,
Kannst Dich gebärden, wie Du willst.
Mich setzt nichts in Erstaunen!

Danny Gürtler
Aus der Sammlung Persönliches

  
  


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