LegitimationMotto:
Ich will's nicht, dass Ihr über mich weint,
O, dass es doch einer begreife —,
Je mehr ein Mensch in sich vereint,
Desto länger braucht er — zur Reife.
Ich will's Euch sagen, wer ich bin,
Ein kecker Bursch' mit leichtem Sinn.
Ein Kerl mit zügellosem Blut,
Mein Leichtsinn ist mein höchstes Gut.
Frei blick' ich jedem ins Gesicht,
Prüdes Gesindel leid' ich nicht;
Bin einer, der das Leben kennt —
Ich lebe nur für den Moment!
Mit Frau'n befasse ich mich gern,
Doch finden sie in mir den Herrn.
Ich hab' sie gründlich ausstudiert,
Nur mit den schönsten karressiert.
Doch treff ich 'mal ein keusches Weib,
Ist mir's zu gut zum Zeitvertreib.
Ein Teil Gemüt noch in mir wohnt,
Drum wird die Reinheit stets geschont. —
Das höchste Ziel (Burgtheater) war schon erreicht,
Ich hatt' Talent, drum fiel mir's leicht —
Doch war's bei Gott kein grosses Wunder
Bald stürzt' von Oben ich herunter.
Vom Ziele war ich bald entfernt,
Weil ich das Bücken nicht gelernt —
Mich beugen geht mir wider's Herz,
Mein Rückgrat ist wie Eisenerz!
Ich geh' in meiner Dichtung auf,
Gefällt sie nicht, dann pfeif ich drauf!
Heut' red' ich, morgen bin ich still,
Ich tu' und lasse was ich will.
Heut' ess' ich nur trock'nes Brot —
Und morgen fress' ich table d'höte.
Heut' ruh' ich, morgen wird gestrebt,
So wird mein Leben ausgelebt.
Brauch' nach Niemandem zu fragen,
Lass mich von meinen Launen tragen.
Es tat mir leid, wenn's nicht so wäre,
Ich bin ein König in meiner Sphäre.
Deshalb hab' ich auch viele Neider,
Doch sind es meistens Hungerleider.
'ne Rotte dekadentes Vieh,
Das anblöckt jedes Kraftgenie.
Erregung drüber wär zu schade,
Ich wand're meine eig'nen Pfade.
Nun wisst Ihr, Leute, wer ich bin,
Beurteilt mich nach Eurem Sinn!
Ich trete nicht auf als Künstler im Frack,
In weisser Weste, Handschuh und Claque,
Mit nichten, ich trage das Kleid der Boheme,
Das sitzt mir vortrefflich, das passt mir bequem,
D'rin fühl' ich mich mollig, behaglich und frei,
Ich hass' jeden Zwang und Tyrannei.
Ich bin kein Sozi, kein Antisemit,
Ich halte mit keinerlei Strömung Schritt,
Ich habe nur für das Volk ein Herz
Und teile mit ihm Freude und Schmerz
Politisieren liegt mir fern,
Das überlass' ich höher'n Herrn,
Bin einer, der die Wahrheit liebt,
Der sie verkündet, ungetrübt,
Deshalb tret' ich vor Euch ungeschminkt,
Weil es die Wahrheit so mit sich bringt.
Frei red' ich von der Leber weg,
Frei sein ist meines Daseins Zweck,
Ich bin einmal so, was kann ich dafür,
Der verwegenste Bursche, so steh' ich hier.
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Bin König der Boheme, ein lustiger Fant,
Mit meinen Liedern zieh' ich durch's Land,
Ich singe sie Jedem, ob arm oder reich,
Ob Fürst oder Bettler, es ist mir gleich.
Ich spiel' für die Menge, die stolz unten thront,
Wenn mich einer begreift, bin ich reichlich belohnt.
Und winkt mir der Tod, wenn's just ihm gefällt,
Meine Lieder die bleiben, gehören der Welt! Danny Gürtler
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