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Der Protektor

Blutig zwischen beiden Rosen
Hat gebrannt der lange Streit;
Blutiger entbrennt die Fehde,
Welche Thron und Volk entzweit;
Wie den Nachbarn des Vulkanes
Wenn des Berges Donner droht,
Bangt dem weiten Inselreiche
Vor Verwüstung, Schreck und Tod.

Brüten finstre Puritaner
Dort aus dem Prophetenbuch
Rachelust und Wahnverzückung
Und dem Throne grausen Fluch,
Wirft man hier der Thaten frechste
Dem ergrimmten Volke hin;
Was der König schwerlich wagte,
Leichtlich wagt's die Königin.

"Tod den Puritanerhunden!"
Lautet hier das Loosungswort;
""Nieder mit den Katholiken!""
Tobt das Feldgeschrei von dort;
Von des Bürgerkriegs Entsetzen
Tödtlich blutet Albion,
Und nach eines Retters Seele
Schreit die wirre Nation.

Wenn es oben faul geworden,
Wo die Krone blühen soll,
Greift hinab die Weltgeschichte
In die Erde, tief und voll,
Und sie formt im frischen Schachte,
Wo der Geist des Volkes schafft,
Aus dem Mark granitner Stärke
Eine große Menschenkraft.

Einer, der in Wald und Höhle
Mit der Racheschaar getagt,
Und mit nie durchdrungnem Auge
Ihre Seelen ausgefragt,
Der mit steter Hand die Decke
Von des Hofes Blößen lüpft
Und das starre Volk der Waffen
Sacht an seine Fersen knüpft,

Einer ist es ohne Frage,
Der den Sieg in Händen hält,
Den die Krieger, ihrer Einen,
Aus sich selbst herausgestellt,
Der das Loos der Königreiche
Auf der Eisenstirn bewegt,
Die des Volks Gedankenfalte
Neben der des Herrschers trägt.

Einer darf ihm Worte geben
Des Gedankens tiefstem Hehl,
Und an seines Schwertes Knaufe
Lehnt ein Riese der Befehl;
Einer darf zu treten wagen
Vor den britischen Senat,
Wie der Königlichgebornen
Bis zur Stunde keiner that.

Auf des Geistes Messerschärfe
Wiegt er die entzweite Welt:
Tiefer neigt sich eine Schale,
Und das Haupt des Königs fällt;
Und die Insel hat gezittert,
Nur ein einz'ger Name nicht,
Der der Meinungen Gemurmel
Wie der Fels die Welle bricht. —

Hoch in Withehalls Krönungssaale
Glänzt der Zepter und der Thron,
Lockend sieht's im Traum der Nächte
Der Protektor lange schon;
Falsch und ehrlich mancher Dränger
Mahnt ihn drauf zur Morgenfrist,
Daß der Mann zur Krone greife,
Der in Wahrheit König ist.

Auch die ernsten Warner kommen,
Treu besorgt um sein Geschick,
Doch die einen wie die andern
Straft sein unerklärter Blick;
Ob die Seele hat entschieden,
Ob auf ihrem dunkeln Grund
Für und Wider sich befehden,
Keinem Ohre gibt er's kund. —

Auf dem heißen Sterbelager
Weicht des Blickes letzter Strahl
Leichter von dem Aug' des Helden,
Daß er keine Krone stahl,
Daß ihm Schicksal oder Wille
Treu das stolz're Loos bewahrt,
Und das blasse Angedenken
Des gemeinern ihm erspart.

Dacht' er wohl des großen Römers,
Ueber dem der Tod gezückt
Jene dreiundzwanzig Dolche,
Eh die Krone ihn erdrückt?
Oder war's, daß er von Weitem
Seine Enkel hüten sah
Jenen Zäsar, der geendet
Auf dem Fels von Helena?

Johann Georg Fischer

  
  


Johann Georg Fischer   

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