AbendsternJa du bist es,
Blühend Gestirn,
Bist Venus Urania,
Die uns die klaren,
Sehnsüchtig stillen
Abende lang
Mit dem strömenden Lichte
Den Himmel beseelt!
Und deines Glanzes
Freut sich wie immer
Die dankende Menschheit,
Huldigt noch immer
Dem schönen Glauben,
Daß uns die Erde,
Wenn du am Himmel
Die Jahre regierst,
Goldenen Weines
Die Fülle gebäre
Und schöne Menschen,
Leuchtend von Geist
Und innig von Liebe.
Du herrschest auch jetzo,
Und voller denn jemals
Trinkt sich von deiner
Beglückenden Leuchte
Die irdische Brust.
Und sieh, von dem Glanz
Deiner Schönheit bewogen,
Lenkt ferne heran
Die erhabenen Bahnen
Das stolze Gestirn
Demes himmlischen Fremdes.
"Venus und Jupiter!"
Jauchzen gerührt
Ob eurer zweieinigen
Hohen Vermählung
Da unten die Herzen,
Beglückt, daß die ewigen
Himmlischen selber
So erdennahe,
So menschenverwandt
Und liebebedürfend
Ueber uns hingehn.
Zwar dein Vermählter,
Strahlende Liebe,
Er wandelt wieder,
Sich selber genug,
Allabendlich ferner
Dahin die unendliche
Einsame Bahn,
Denn Göttern gebührt
Ein erhabenes Schicksal;
Doch glänzender fast
Denn ehedem leuchtet
Deine einsame Liebe.
Wir sterblichbescheidnen
Irdischen aber Hängen an dir,
Der rührend Nahen,
Wie du dahingehst
Ueber des thauigen
Abends Erfrischung,
Ueber die Blüthen
Entschlummernder Bäche,
Wo die Frühlingssänger
In warmer Brust
Bedenken die Lieder
Des künftigen Morgens.
Und glückliche Menschen
Kommen einsam,
Oder zu Zweien
Gar stille, stille
Aus Städten und Hütten
Heraus die Wege,
Entgegenwandelnd
Dem Abendsterne. Johann Georg Fischer |