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Der dumme August

Sie spielten Zirkus, na und wie!
Zum ersten Male hatten sie,
Rolf, Richard, Maust und die Trude,
Gesessen in der Leinwandbude,
Gewaschen sauber und gekämmt,
Die Fäustchen auf das Knie gestemmt,
Mit offnen Mäulchen, krummen Rücken
Und Herz und Auge voll Entzücken.
Der Zirkus war doch gar zu schön!

Nun spielten sie, was sie gesehn.
Der Große nach Stallmeisters Sitte
Stand mit der Peitsche in der Mitte
Und ließ an einem langen Band
Um das Rondell auf weichem Grand
Den Jüngern kunstgerecht mit Schnaufen
Und Wiehern vor- und rückwärts laufen.
Dann sprang die Trude, ganz in Weiß,
Mit einem Knickse in den Kreis,
Warf Kußhand nach den höchsten Sitzen
Und tanzte auf den Zehenspitzen
Und wippte vorwärts und zurück,
Genau so wie auf einem Strick
Und klatschte, als die Kunst zu Ende,
Vergnüglich in die kleinen Hände
Und grüßte lächelnd jedermann
So, wie es nur die Trude kann.

Nun wurde auf allseitig Bitten
Von Mausi Hohe Schul' geritten.
Aufsaß das stramme Ding im Nu.
Die Peitsche her! und nun man zu!
Der Junge stieg — das wollt' ich meinen!
Wie unklug auf den Hinterbeinen,
Und toll durch die Arena ging's;
Doch ruhig saß das kleine Dings,
Saß ohne Furcht und ohne Ängste
Wie angenagelt auf dem Hengste,
Bis den zuletzt das Spiel verdroß
Und er mit ihr koppheister schoß.
„Ja," sprach ich, „das ist schön; indessen
Die Hauptperson habt ihr vergessen."
Ich stolperte.. nur ganz diskret. ..
Ich grölte. . Wie das gleich versteht!
Wie sie mich stürmisch überfielen!
Ich wußte nicht, wie mir geschah.
Sie packten mich, sie jauchzten: „Ja,
Großvater, bitte, August spielen!

Ich hatte nimmer mir's gedacht,
Daß ich's noch mal so weit gebracht!

Adolf Ey
Aus der Sammlung Gedichte eines Großvaters

  
  


Adolf  Ey   

Adolf Ey


   


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