In Winterstill und Einsamkeit19.
In Winterstill' und Einsamkeit
Hin durch den stillen, weißen Wald
Strich ich mit dir zur Abendzeit;
Im Dunkel unser Tritt verhallt'.
Weit ab vom lauten Stadtgewühl
Zog unser Pfad durch Schnee und Eis,
Es trieb der Wind ein lautes Spiel
Und streute Flocken dicht und weiß.
Wir aber achteten es kaum,
Wie toll und wild der Schnee auch stob;
Fast dünkt' es uns, als war' es Traum,
Daß um uns her der Rauhfrost wob.
Denn zwischen uns, trotz Schnee und Eis,
Da sproßten, uns selbst unbewußt,
Der Liebe Röslein roth und weiß
In holder, junger Frühlingslust.
Du machtest zwar ein ernst' Gesicht
Und sprachest von Philosophie,
Bis plötzlich wir im Schnee'e dicht
Versanken fast bis an die Knie.
Wie lächeltest du frohgemuth
Und hobst die starken Arme da,
Und sprachst, derweil du trugst mich gut
"Et mecum porto omnia." Anna Esser
Aus der Sammlung Nun grüße dich Gott, Frau Minne! |