Zwei AugenVerlassen stand ich und voll Seelenschmerzen,
Ein starker Mann, doch schwach und sehnsuchtskrank;
Statt Trost und Lind’rung mischten falsche Herzen
Aus Neid und Bosheit mir den gift’gen Trank.
In leere Weiten ließ den Blick ich schweifen,
Denn jede Hoffnung nahm das Schicksal mir; -
Da hieß die Sehnsucht mich zur Feder greifen,
Und all mein Leid vertraut‘ ich dem Papier.
Ein paar Gedichte, leicht vom Wind getragen,
Sie flogen in die weite Welt hinaus!
Mein Schmerz, mein Leid, mein Kummer, meine Klagen
Sie drangen ein so in das fremde Haus,
Aus dem die Holde kam mir Trost zu bringen,
Die Schönste, die im Leben ich gesehn!
Sie sah verzweifelt meine Seele ringen,
Das kranke Herz vor Schmerz und Gram vergehn.
Und segnend legte sie die weichen Hände
Auf meine Stirne, fieberheiß und krank; -
Und süßer Friede, Trost und Himmelsspende
Gleich edlem Balsam auf mich niedersank.
Und heilig, rein erklang’s aus ihrem Munde:
Du bist geheilt, bist fröhlich und gesund!
Doch preise immer deine Leidensstunde,
In der von Gott dir ward das teuer Prund!
In der die Kraft zum Singen dir gegeben,
In der die sel’ge Muse dir gelacht,
In der ein Schatz dir ward fürs ganze Leben,
Der alte Leiden bannt, dich glücklich macht!
Und aus den Augen, die so strahlend schauten,
So warm und liebevoll auf mir geruht,
Auf meine Stirne heiße Tränen tauten,
Und jede Träne gab mir Kraft und Mut.
Dann nahm sie meine Hand mit sanftem Beben,
Sprach leise: „Meine Abschiedsstunde schlägt;
Sei froh und sorglos fürderhin dein Leben
Und reich das Glück, das deine Zukunft trägt.“
Bevor um danken Worte ich gefunden,
Entzückt noch von der Holden, heilig, rein,
War auch die schöne Fremde schon verschwunden,
Ich war gesund, doch einsam und allein. –
Doch regen sich zum Saitenspiel die Schwingen,
Werd‘ ich von sel’ger Muse angelacht,
So möchte‘ ich stets von jener Schönen singen,
Die mich gesunden ließ, mich reich gemacht!
Und wollen dunkle Wetterwolken ziehen
Im Daseinskampf herauf am Himmel mein,
So fangen jene Tränen an zu glühen,
Durch trübe Wolken bricht der Sonnenschein.
Sinkt meine Kraft auch hin im Tagestreiben,
Zwei Augen glänzen mir wie Sternenlicht!
Ja, unvergeßlich wird mir jene bleiben,
Ob sie noch an mich denkt? – Ich weiß es nicht!
Doch eines weiß ich: Jene schönen Augen,
Ich werd‘ sie sehen bis zum letzten Hauch! –
Und wenn ich sterbend denke jener Augen,
Dann schließen selig sich die meinen auch. Heinrich Eggersglüß
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