Ideal und WilleWas der Mensch in seinen Tiefen
Sich erschuf als Ideal,
Möchte er zur Wahrheit stempeln,
Reißen an des Lichtes Strahl.
Aber gleich der Stürme Brausen
Bricht aus seinem Hinterhalt
Auf die Ruh und auf den Frieden
Feindlich drohende Gewalt.
Nimmer soll ihm Ruhe werden,
Aus dem Schlund emporgerafft
Stürzt er wieder in die Trümmer,
Denn die Ruhe hasst die Kraft.
Doch gerungen, nicht verzaget,
Mut ist Freiheit, und der Sinn,
Der empor zum Höchsten strebet
Reißt uns doch zum Ziele hin.
Ja, das Ziel, es muss uns werden,
Gähnet auch der Hölle Schacht,
Alle Schranken stürzen nieder;
Wenn der Wille auferwacht.
Ja, nur eigne Kräfte schaffen
Sich im Weltsturm das Geschick,
Denn der Wille zwingt das Schicksal
Und der Wille zwingt das Glück. Theodor Drobisch
Aus der Sammlung Gedichte ernsten und launigen Inhalts |