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Gott lebt

„Gott ist tot!“,
Wir haben ihn getötet,
Das Blut der Schande unsere Hände rötet,
Wir selbst stürzten uns in Leid und Not.
Das Leid ist nicht von Gott gemacht,
Der Mensch es selbst zur Welt gebracht.
Die Not entspringt aus unseren Taten,
Wir durch ein Meer der Schande waten.
Nenn'n Glauben krankhafte Neurose,
Die Menschheit wird zu der Mimose.
Der Mensch zieht sich immer mehr zurück,
Verpuppt sich fast und sucht sein Glück.
Und wundert sich – er kann's nicht finden.
Doch will sich auch an gar nichts binden.
Und besäßen alle Schätze wir der Welt,
Wär unsere Habgier nicht ruhig gestellt.
Was ist es, was diesen Unfrieden schafft?
Ist es wirklich der Glaube, der gibt Kraft?
Oder ist es des Menschen unbändiger Wille,
Der niemals kommt zur Ruh und findet Stille?
Sollte man kritisieren, was andere stärkt?
Schützt ihr euch, indem ihr euch verbergt?
Verborgen hinter Schall und Rauch,
Unendlich sein, das wollt ihr auch!
Unendlich sein und nie vergessen,
Die Menschheit bessern – wie vermessen.
Das ist es, was ihr wollt, euer Heiligtum?
Ihr Narren, bewahret lieber Ruh!
Auch ihr habt die wahre Weisheit nie erlangt.
Still und heimlich ihr nun um euch bangt.
Habt keine Hoffnung, keinen Glauben,
Dies tat euch des Verstands berauben.
Doch auch eure scheinbar große Weisheit
Sicherte euch nicht die Unsterblichkeit.
Was habt ihr in eurem Leben nun erreicht,
Außer klugen Schriften, deren Farbe bleicht?
Nehmt dies hin, trotz eurem Streben:
„Gott lebt und er wird immer leben!“

© Sebastian Dommel, 2009

  
  


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