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Ihre Augen

(Aus einer Novelle des Verfassers.)

Seit sie mit ihren sonnigen Augen
So wunderwarm mich angeschaut,
— Nur angeblickt: Kein Wort, kein Laut!.-
Kann ich zu nichts, zu nichts mehr taugen.

O dieser Augen Sonnenwärme!
Wie lenzesfroh das Herz mir blüht!
O Lerchenjubel im Gemüt!
Und seltsam, dass ich doch mich härme.

Ach dieser wonnig-weichen Strahlen
Geheimnisvolle Zaubermacht!
Vor Glück Hab oft ich hell gelacht —
Und fühlt’ zugleich-so süße Qualen.

Ich bitt’ euch liebe, böse Augen,
Lasst endlich, endlich mich in Ruh!
Ihr treibt mich schier der Narrheit zu:
Schon kann ich, ach, zu nichts mehr taugen.

Ich wollte nicht mehr an dich denken;
Ich wollte frei von Liebe sein;
Dem armen Herzen Ruhe schenken:
Ich wollte schier vergessen dein.

Und als ich wollte dein vergessen,
Da hab ich immer dein gedacht.
Nun kann die Liebe ich ermessen,
Die mich zum Toren hat gemacht.

Nur kurz war der Traum.
Und er war, ach, so hold!
Ich träumte von süßestem Minnesold.
Nur kurz war der Traum.

Ich sah sie noch kaum,
Da ward mir’s so warm.
Sagt, kennt ihr heimlicher Liebe Harm?
Wie so kurz war der Traum!

Ja, das Glück ist nur Schaum:
Es zerrinnt und zerstäubt —
Ein Tor, wer ihm glaubt.
Viel zu kurz war der Traum!

Otto Doepkemeyer
Aus der Sammlung Liebe

  
  

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