Die TränenWas ist ein Mensch, der nicht in langen Nächten
Dem Schmerz erlag, dem keine Tränen halfen!
Dass sie ans Ufer ihn des Morgens brächten,
- o breiter See! - drängt bittend er der Stunden
Gleichförmigen Rudertakt zu größrer Eile.
Umsonst. Qual Zeit ist seinem Schmerz verbunden,
Zeigt sagt zum Schmerz und Schmerz zur Zeit:
Verweile.
Und ist die jammervolle Fahrt geendet,
Dann starren Augen groß und leer ins Graue
Des Tages, dessen falsches Licht sie blendet,
Und schreien auf - kein Mund vermag das Schreien.
Was ist der Mensch, der nicht in bangen Nächten
Dem Schmerz erlag, den keine Tränen weihen! Franz Blei, 1904 |