An die EinsamkeitDie du schau'st des Herzens Leid,
Schenke mir den süßen Frieden,
Ach, und tröste mich hienieden,
Vielgeliebte Einsamkeit!
Von den Menschen unbewacht,
Können hier die Thränen fallen,
Und der Wehmuth Seufzer hallen
In dem Frieden deiner Macht!
Als ich sie so heiß umfing,
Und voll heiligem Entzücken
An den seelenvollen Blicken
Meine trunk'ne Liebe hing:
Dieses sah dein milder Blick;
Aber jene holden Stunden
Sind mir alle langst entschwunden,
Kehren nimmermehr zurück.
Meiner Sehnsucht stiller Gram
Stört mich auch im kurzen Schlummer,
Und der lang genährte Kummer
Schafft das Herz für Freuden lahm.
Und sie sieht mein Leiden nicht,
Ahnet nicht den Born des Schmerzens,
Nicht den Riesenkampf des Herzens,
Nicht den Streit der Lieb' und Pflicht!
So ist jeder Hoffnungsstrahl
Für das Leben mir verloren,
Nur zur Sehnsucht auserkoren,
Irrt mein Blick durch Wies' und Thal.
Tröste du mich, o Natur,
Menschen muß ich heiter scheinen,
Kann die Leiden nie verweinen,
Denn sie flieh'n im Tode nur! Alois Leopold Altmann |