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Assarow und Madame Oyasouki

Ich sass in dem kleinen lieben Café.
Ich hörte zwei Männer leise sprechen.
»Enfant – –«, sagte der Eine, »je te plains –.« »Adieu – –«, sagte der Andere, »Du verstehst mich nicht mehr – –. Niemand versteht mich – –.«
Der Freund sah ihn an: »Enfant – – –! Je te plains – –.«
Ich sass bei »Zehden«, Confiseur.
Da trank Madame Oyasouki Thee mit Rum. Assarow sass da – – l'enfant.
»Und jetzt nach den verrauschten Stürmen, lieben Sie ihren Mann nicht anders?! Ich meine ›am Ziel der Wünsche‹?! War es nicht der Sturm, der Kampf, der ihrer Neigung Wärme, Grösse gab?! Pardon – – –.«
Sie trank die Tasse aus und fühlte: »Er liebt mich – – –!«
Wie etwas Selbstverständliches, Angenehmes, Ehrendes fühlte sie das – –.
»Nein« sagte sie mit einer unermesslichen Sanftmuth, »die ruhige sichere Liebe ist die Liebe. Da hört man auf zu denken, fast zu fühlen. Es ist das Leben selbst geworden, etwas Organisches – –. Wie man nicht fühlt, dass man ein Herz hat und es dennoch schlägt und schlägt und uns erhält – –! Man braucht sich nicht zu kümmern, es ist da!«
Er sagte: »Sie sind weise, gütig. Man muss Sie lieb haben.«
Ich blickte die Dame an: »Wie wird es werden – –?!«
Sie fühlte das – – –.
»Was wirst Du mit dem ›Kinde‹ machen« fragte ich, »Du Wunderliebliche – –?! Tödte Ihn – –!«
Da sagte sie: »Oh, ich muss gehen – –, Commissionen machen – –.«
»Tödte Ihn – –!« sagte ich zu ihr.
Sie stand da in ihrer braunen Schönheit – –. »Tödte Ihn!«
Da sagte sie: »Herr Assarow, bitte – –« und gab ihm die Hand.
Er blickte ihr nach – – –.
Ich dachte an den Herren, der gesagt hatte »enfant« und »je te plains –«. Ich verstand es.
Frauen treffen nicht wie der Fleischer das Kalb: Ein Zug von rechts nach links und fertig – –. Kein Laut – –. Fertig.
Die aber stossen zu – –. »So ziehe durch!«
Da gehen sie, Commissionen machen, werfen das Messer weg, reichen die Hand, gehen wie träumend –.
Verblute langsam – – –!
Enfant – –! Je te plains – – –.

Peter Altenberg
Aus der Sammlung See-Ufer

  
  

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