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Verwandte Gedichte

 Gottfried Keller, Dichtung und Wahrheit 
 Adolf Ey, Der dumme August 

 

Dichtung und Wahrheit

Gottfried Keller


1

Den Dichter seht, der immerdar erzählt von Lerchensang,
Wie er nun bald ein Dutzend schon gebratner Lerchen schlang!
Bei Sonnenaufgang, als der Tag in Blau und Gold erglüht’,
Da war es, dass sein Morgenlied vom Lob der Lerchen klang;
Und nun bei Sonnenuntergang mit seinem Gabelspiess
Er sehnend in die Liederbrust gebratner Lerchen drang!
Das heiss’ ich die Natur verstehn, allseitig tief und kühn,
Wenn also auf und nieder sich sein Tag mit Lerchen schwang!

2

Kennt ihr den Kleinkinderhimmel,
Wo als Gott der Zuckerbäcker
Waltet süss und hoch und herrlich
In den Augen k]einer Schlecker?

Und zur Weihnachtszeit, wie flimmert,
Duftet es an allen Wänden!
Welchen Schatz von Seligkeiten
Schüttet er aus mächt’gen Händen!

Lässt erblühen Wunderblumen,
Weise streut er die Gewürze;
Schön stehn ihm die hohe, weisse
Zipfelmütze, Wams und Schürze.

Doch wonach die guten Kinder
Schmachtend vor dem Laden stehen,
Muss dem Reichen, Allgewalt’gen
Reizlos durch die Hände gehen.

Einmal kaum im Jahr geniesst er
Aus Zerstreuung in dem Handel
Flüchtig ein gefehltes Törtchen
Und verächtlich eine Mandel.

Zipfelmütze, weisse Schürze,
O wie nüchtern glänzet ihr,
Und wie mahnt ihr mich an weisses,
Reinliches Konzeptpapier!

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Der dumme August

Adolf Ey


Sie spielten Zirkus, na und wie!
Zum ersten Male hatten sie,
Rolf, Richard, Maust und die Trude,
Gesessen in der Leinwandbude,
Gewaschen sauber und gekämmt,
Die Fäustchen auf das Knie gestemmt,
Mit offnen Mäulchen, krummen Rücken
Und Herz und Auge voll Entzücken.
Der Zirkus war doch gar zu schön!

Nun spielten sie, was sie gesehn.
Der Große nach Stallmeisters Sitte
Stand mit der Peitsche in der Mitte
Und ließ an einem langen Band
Um das Rondell auf weichem Grand
Den Jüngern kunstgerecht mit Schnaufen
Und Wiehern vor- und rückwärts laufen.
Dann sprang die Trude, ganz in Weiß,
Mit einem Knickse in den Kreis,
Warf Kußhand nach den höchsten Sitzen
Und tanzte auf den Zehenspitzen
Und wippte vorwärts und zurück,
Genau so wie auf einem Strick
Und klatschte, als die Kunst zu Ende,
Vergnüglich in die kleinen Hände
Und grüßte lächelnd jedermann
So, wie es nur die Trude kann.

Nun wurde auf allseitig Bitten
Von Mausi Hohe Schul' geritten.
Aufsaß das stramme Ding im Nu.
Die Peitsche her! und nun man zu!
Der Junge stieg — das wollt' ich meinen!
Wie unklug auf den Hinterbeinen,
Und toll durch die Arena ging's;
Doch ruhig saß das kleine Dings,
Saß ohne Furcht und ohne Ängste
Wie angenagelt auf dem Hengste,
Bis den zuletzt das Spiel verdroß
Und er mit ihr koppheister schoß.
„Ja," sprach ich, „das ist schön; indessen
Die Hauptperson habt ihr vergessen."
Ich stolperte.. nur ganz diskret. ..
Ich grölte. . Wie das gleich versteht!
Wie sie mich stürmisch überfielen!
Ich wußte nicht, wie mir geschah.
Sie packten mich, sie jauchzten: „Ja,
Großvater, bitte, August spielen!

Ich hatte nimmer mir's gedacht,
Daß ich's noch mal so weit gebracht!

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Adolf  Ey

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