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Verwandte Gedichte |  Baudelaire, Geistige Morgenröte
 Mackay, Der erste Ball
 Georg Daniel Hirtz, Die gerettete Unschuld   
| | |  | Geistige MorgenröteCharles Baudelaire Wenn an des Wüstlings Bett die bleiche Frühe
Gemeinsam tritt mit nagend bittrer Not,
Dann scheint's, als ob nach rächendem Gebot
Im dumpfen Tier ein Engel neu erblühe.
Der fernen Himmel unerreichbar Blau
Winkt ihm, auf dem noch Traum und Leiden wuchten,
Es öffnet sich und lockt wie tiefe Schluchten.
Und so, du göttlich reine, zarte Frau,
So flattert über toller Feste Trümmer
In ewiger Klarheit, rosig, licht und mild
Vor meinem weiten Blich dein leuchtend Bild.
Die Sonne löscht der Kerzen matt Geflimmer,
So siegst auch du, – durch dumpfen Nebel bricht
Dein strahlend Herz: unsterblich Sonnenlicht!
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Charles Baudelaire
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|  | Die gerettete UnschuldGeorg Daniel Hirtz
Sieh' dort, in grauser Grabesnacht,
Der Spesburg morsche Trümmer;
Empor aus dunkeln Tannen ragt
Des öden Schlosses düstre Pracht
In grauenvollem Schimmer!
Wo Waffenklang einst wiederhallt,
Des Wandrers Tritt jetzt einsam schallt.
Ein stolzer Zwingherr hauste dort
Im kühnen Felsen-Neste;
Zog nächtlich oft zu Raub und Mord,
Mit seinen Knechten heimlich fort,
Und kehrt'in seine Beste
Mit wildem, scheuem Tigerblick
Und dem geraubten Gut zurück.
Dem Ritter eilt, mit frohem Gruß,
Kein sanftes Weib entgegen;
Nur frecher Dirnen-feiler Kuß
Gewährte Guntrams Sinn Genuß
Auf seinen bösen Wegen.
Nie schlang des frommen Priesters Hand
Um ihn der Ehe heilig Band!
Einst stieg in's anmuthsvolle Barr,
Der Ritter Guntram nieder;
Ward eines Mägdeleins gewahr,
Mit blauem Aug', mit goldnem Haar
Und schlankem Bau der Glieder.
Da strömte heiße Liebeslust
Entzündend in des Wüstlings Brust!...
Der holden, unschuldsvollen Maid,
War fremd der Menschen Tücke;
Ein Jüngling halt' um, sie gefreit,
Will theilen mit ihr Freud' und Leid,
Nichts fehlet ihrem Glücke!
Wenn zweimal noch sich Vollmond zeigt,
Ist ihrer Wünsche Ziel erreicht.
— Nach Spesburg eilt der Rittersmann.
Mit lüsterner Begierde,
Wie Fiebergluth es ihn durchrann,
Er auf den Raub der Jungfrau sann.,
Der Bergstadt schönste Zierde!
Er schwört Vernichtung, schwört den Tod,
Dem Jüngling, der die Hand ihr bot!...
Es gingen oftmals, Hand in Hand,
Rudolph und Margarethe,
An kühlen Bächleins blum'gem Rand
Und kosten unter Scherz und Tand
In milder Abendröthe.
Sie freuten sich mit heiterm Blick
Auf ihrer Ehe häuslich Glück!
Und näher immer rückt heran
Der Trauung ernste Stunde,
Wo sie dem Gotteshaus sich nahn
Des Priesters Segen zu empfah'n
Zum frommen, heil'gen Bunde; —
Da Eltern Auge freudig weint,
Wenn sich der Kinder Schicksal eint!
Einst in der Abendsonne Strahl,
Am heil'gen Ostertage,
Durchzogen sie das heitre Thal,
Da lockte ferner Klagen Schall
Sie von dem klaren Bache
Zum dunkeln Tannenforst hinauf.
Ihr Mitleid spornt zu raschem Lauf.
Dort lag ein Pilger, bleich und matt,
Am niederen Gesträuche;
Als ihm die Liebenden genaht,
Er wackern Rudolph zitternd bat
Daß er die Hand ihm reiche.
"Aus Palästina komm' ich her,
"Und kann unmöglich weiter mehr!"
Der Jüngling sich voll Mitleid bückt,
Den Pilgersmann zu stützen;
Der Falsche schnell den Mordstahl zückt,
Den zu verbergen ihm geglückt —
Kaum sieht ihn Rudolph blitzen
Fühlt er den Dolch schon in der Brust
Und sinkt dahin, sein unbewußt!
Das Mägdlein faßt der Bösewicht,
Und lacht in wildem Hohne:
"Ha! frommes Täublein, seufze nicht,
Im Felsen - Nest dir nichts gebricht,
Du meines Herzens Wonne!
Als Ritter Guntram dieses sprach
Das Herz des treuen Jüngling's brach.
Und Todesschatten ihn umhüllt,
Es schweigt das bange Stöhnen.
Da stürzet, in Verzweiflung wild,
Sich Margarethe hin und füllt
Den Wald mit Klagetönen.
Küßt des Geliebten kalte Hand,
Die oft ihr Blumenkränze wand.
"Schlaf' ruhig, Lieber, deiner Braut
"Darfst droben dich nicht schämen;
"Der Höchste, dem wir stets vertraut,
"Auf den mein Glaube hoffend baut,
"Wird rein mich zu sich nehmen!"
Sie spricht's, entreißt sich Guytrams Hand
Und flieht an steilen Abgrunds Rand.
Dort steigt zum Himmel ihr Gebet
Vergebung zu erlangen....
Ha! Lasters Hauch sie jetzt umweht,
Der Zwingherr ihr zur Seite steht,
Hält lüstern sie umfangen.
Da steht sie: "Gott, blick' mild herab!"
Und reißt ihn mit ins tiefe Grab. ...
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