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Verwandte Gedichte

 Mackay, Rückzug 
 Fontane, General Sir John Moores Begräbnis 
 Felix Dahn, Donna Bianca Vendramin 

 

Rückzug

John Henry Mackay


Nacht wird ihre Flügel entfalten,
Wird deine Stirne umwehn,
Was schon zerwirrt und zerspalten,
Noch einmal wird es erstehn.

Es ist dann vielleicht ein Hauch nur,
Eines Strahles verglimmender Schein.
Doch lebe! – und sollte es auch nur
Für wenige Stunden noch sein.

Doch lebe! – dein sei dein Sterben,
Nachdem du dein Leben verlorst,
Und konntest du Nichts sonst erwerben,
Das Höchste du doch dir erkorst.

Nacht wird ihre Flügel entfalten.
Ich werde zur Seite dir stehn,
In meinen Armen dich halten,
Und ruhig ins Auge dir sehn.

Meine Hand – sie soll nicht beben,
Mein Mund – er soll nicht schrein.
Du stirbst – und ich muss leben – :
Es soll wohl Anders nicht sein.

Und ihnen wirst, die dich schalten,
Für immer du bald nun entfliehn.
Nacht wird ihre Flügel entfalten,
Und in Frieden wirst du ziehn . . .

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John Henry Mackay

John Henry Mackay

General Sir John Moores Begräbnis

Theodor Fontane


(Rückzug von Corunna, 1809)

Kein Trommelwirbel, kein Grablied hohl,
Als wir an den Wallrand lenkten,
Kein Schuß rief über ihn hin: »Fahr wohl«,
Als wir ihn niedersenkten;
Wir senkten ihn nieder um Mitternacht,
Sein Grab, ohne Prunk und Flimmer,
Wir hatten's mit Bajonetten gemacht,
Bei Mond- und Windlicht-Schimmer.

Viel Zeit zum Beten hatten wir nicht,
Nicht Zeit zu Klagen und Sorgen,
Wir starrten dem Toten ins Angesicht
Und dachten: ›Was nun morgen?‹
Kein Grabtuch da, kein Priester nah,
Kein Sterbekleid und kein Schragen,
Wie ein schlafender Krieger lag er da,
Seinen Mantel umgeschlagen.

Und kaum noch, daß unser Tun vollbracht,
Heim rief uns die Glock' von den Schiffen,
Und über uns hin jetzt, durch die Nacht,
Des Feindes Kugeln pfiffen;
So ließen wir ihn auf seinem Feld,
Blutfeucht von Heldentume,
Da liegt er und schläft er allein , unser Held,
Allein mit seinem Ruhme.

Wir dachten, als wir den Hügel gemacht
Über seinem Bette der Ehre:
›Bald drüber hin zieht Feindes Macht,
Und wir - weit, weit auf dem Meere;
Sie werden schwätzen viel auf und ab
Von Ehre, die kaum gerettet -
Doch nichts von allem dringt in sein Grab,
Drin wir Britischen ihn gebettet.‹

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Theodor Fontane

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Donna Bianca Vendramin

Felix Dahn

Durch die Straßen von Ravenna,
Durch die Hallen und Paläste
Zwischen Schwarzen längst und Weißen,
Ghibellinen tobt und Guelfen
Unversöhnlich grimmer Streit.

Aber heute drängt sich alles,
Ritter, Bürger, Senatoren,
In die schwarz verhangne Rota,
Wo die strengen Richter richten
Über blut'ge Freveltat.

Vendramin, das Haupt der Weißen,
Von Ravennas ältstem Adel,
Weise, mild, ein Greis voll Tugend,
Heute nacht ward er ermordet
Auf der Straße nach Forli!

Und in mitternächt'ger Stunde
Von den Weißen ward ergriffen
Nah der Casa Vendramini,
Ohne Wehrgehäng und Gürtel,
Fortunato Loredan.

Er, der Schwarzen junger Führer,
Ritterlich und kühn und feurig:
Niemand zieh ihn leicht des Mordes –
Doch er weigert Wort und Auskunft
Und den Argwohn mehrt sein Trotz.

»Strenge Rota, sprich dein Urteil.
Was bedarfst du weiter Zeugnis?
Er verweigert Wort und Auskunft
Und um seine stolzen Lippen
Spielt ein siegreich Lächeln noch.«

Also drängt der Haß der Weißen:
Doch der Konsul, hoch von Ansehn,
Spricht: »Ich kann's und will's nicht glauben!
Nein, du bist kein Meuchelmörder,
Fortunato Loredan.

Aber nun zum letzten Male
Frag' ich dich – es gilt dein Leben –
Sage mir, nur mir, dem Richter,
Wo du diese Nacht gewesen,
Als die grause Tat geschah?«

Doch das Haupt wirft in den Nacken
Stolzen Blicks der schöne Jüngling:
»Edler Konsul, nimm mein Leben,
Aber Himmel nicht noch Hölle
Ringt ein Wort aus meinem Mund.«

Und schon hebt den Stab der Konsul: –
Horch, da murmelt's durch die Menge:
»Platz der Dame! Laßt sie nahen,
's ist die Nichte des Erschlagnen,
Donna Bianca Vendramin.«

Und mit festem raschem Schritte
Durch die Halle schwebt das Mädchen,
Schwarzen Schleier um die Locken,
Marmorbleich die edeln Züge,
Doch im Auge Siegesstolz.

»Edle Herrn,« spricht sie, »und Richter,«
– Und sie breitet auf die Tafel
Wehrgehäng und Dolch und Gürtel –
»Zeugnis komm' ich abzulegen
Vom Geheimnis dieser Nacht.

Diese Nacht hat der Signore
Vor den Toren von Ravenna
Meinen Oheim nicht ermordet,
Denn Signore Loredano –
Diese Nacht – war er – bei mir.«

Sprach's und aus dem Gürtel riß sie
Fortunatos Dolch und hob ihn: –
Doch es fiel von vorn der Konsul,
Von der Rechten der Geliebte
Selber rasch ihr in den Arm.

Und es sprach der alte Konsul:
– Tränen standen ihm im Auge –
– Tränen auch den andern Richtern –
»Niemals hat ein Weib auf Erden
Eine schönre Tat getan.

Heil, Ravenna, dir und Frieden!
Guelfen hört's und Ghibellinen,
Nun ist aller Streit geschlichtet
Und die Hochzeitglocken läuten:
Loredan und ...

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