|
|
|
Verwandte Gedichte |  Anzengruber, Nach fünfundzwanzig Jahren
 Ernst Goll, Herrn und Frau G. zur 25. Wiederkehr ihres Hochzeitstages
 Klabund, Meier
 Gerok, Zum fünfundzwanzigsten Jubelfeste
| | |  | Nach fünfundzwanzig JahrenLudwig Anzengruber
Als sollte jeder Atem Friede trinken,
So ernst und schweigend ruht es in den Lüften;
Es scheint der Mond, die Gräberkreuze blinken,
Des Heilands Bildnis strahlt ob allen Grüften.
Da regt es an der Kirchhofmauer sich,
Da klettert es hinan und gleitet nieder,
Da steht ein Männlein alt und kümmerlich
Und stützt aufs nächste Kreuz die müden Glieder.
Aufatmend blickt er über 'n weiten Plan,
Dann fährt er seufzend mit der Hand zum Herzen...
Dort winkt der Obelisk, und golden dran
Erglänzen sie, die Tage jenes Märzen,
Dem wir ein treu' Gedächtnis noch bewahren,
Der uns in heiliger Erinn'rung steht,
Und der uns einst vor fünfundzwanzig Jahren
Wie süßer Völkerfrühling angeweht!
An diesem Grabe knieet nun der Greis,
Das Gitter streicheln zitternd seine Hände,
Und unter sich, zur Erde spricht er leis,
Als ob sein Wort Gehör bei Toten fände:
»Ich hab' um euch, der Freiheit Saat, getrauert,
Ich war dabei, als man zur Gruft euch senkte, –
Nicht lange hat die Herrlichkeit gedauert,
Ich war dabei, als man erschoß und hängte.
Ich komme jetzt zu euch, geliebte Tote,
In stiller Nacht, im Mondenlicht, alleine,
Es kommen wohl mit nächstem Morgenrote
Mit Kränzen und mit Fahnen die Vereine,
Ihr werdet Sang und viele Reden hören,
Manch gutes und manch unbedeutend Wort;
Ich wollte bitten, lasset euch nicht stören,
Und bleibt in eurer Ruh' und schlafet fort.
Und wenn sie euch mit schönen Worten sagen,
Wie endlich obgesieget doch das Licht
Und wie der Freiheit Bau in unsern Tagen
Das ganze Reich umschließt ... o glaubt es nicht!
Man wird von ›Rechten‹ und ›Freiheiten‹ reden –
Hier schließt die Mehrzahl stets die ›Mehrheit‹ aus –
Wir hielten doch für alle und für jeden
Mit einem Recht und einer Freiheit Haus!
Sie fochten einen Kampf, der sie wohl ehrt,
So gut es ging, that jeder seine Pflicht,
Doch nennen sie den Preis des Kampfes wert,
Dann, stille Tote, glaubet ihnen nicht!
Sie stehn ja alle in des Lebens Bann,
Sie werden nicht die volle Wahrheit wagen,
Denn dieses Lebens ganze Wahrheit kann
Doch nur der Sterbende den Toten sagen!
Schon streicht des nahen Morgens kühle Luft
Durch Trauerweiden und durch schlanke Nüstern,
So beuge ich mich denn nach eurer Gruft,
Um es euch rasch und heimlich zuzuflüstern:
Selbst dieser dürft'gen Freiheit Ernte ist
Nicht unter Dach, es drohen rings Gewitter,
Das ist's, warum mein Arm sich krampfhaft schließt,
Zu rütteln hier an eures Grabes Gitter,
O laßt uns der Begeist'rung Lust erfahren,
Die selbstlos in dem Ganzen untergeht,
Wie sie uns einst vor fünfundzwanzig Jahren
Wie süßer Völkerfrühling ...
Lesen Sie den gesamten Text (59 Zeilen)
Ähnliche Gedichte entdecken
|

Ludwig Anzengruber
|
|  | |
|  | |  | Zum fünfundzwanzigsten JubelfesteKarl Gerok
des Prälaten Kapff.
28. Mai 1877.
Heute fünfundzwanzig Jahr,
Daß er uns geschenket war,
Als ersehnter Stiftsprälat
Auf die goldne Kanzel trat!
Was er damals Gott gelobt,
Hat er treu bis heut erprobt;
Was ihm damals im Gebet
Tausend Herzen heiß erfleht,
Ueber Bitten und Verstehn
Durften wir's erfüllet fehn.
Heute fünfundzwanzig Jahr:
O wer zahlt der Hörer Schar,
Denen mild und ernst sein Mund
Gab das Wort des Lebens kund;
Wer die Kinder die mit Vaterhand
Er geweiht für ihren Christenstand;
Wer die Seelen die im Stiftspfarrhaus
Trostbegehrend gingen ein und aus:
Wer die Kranken die zum sel'gen End
Er gestärkt mit Wort und Sakrament!
Heilte fünfundzwanzig Jahr;
Viel der Arbeit gab's fürwahr!
Wo das Herz von Liebe flammt,
Da verzehnfacht sich das Amt.
Ja in seines Gottes Kraft
Hat er wohl für zehn geschafft;
Wie im Amt ein guter Hirt,
So zu Haus ein milder Wirt;
Wie der Frau'n Gewissensrat,
So voran zur Männerthat;
Jünglingsfreund und Armermater,
Kirchenleiter, Volksberater,
Beichtiger der ganzen Stadt,
Welcher off'ne Thüren hat
Von der Hütte bis zum Thron. —
Inn- und äuß're Mission,
Wo es Hilfe gilt in Not,
Leibeskost und Seelenbrot,
Vom Diakonissenhaus
Bis nach Neuenstadt hinaus —
Ohne ihn wird nichts erdacht,
Ohne ihn wird nichts vollbracht;
Ueber Beutel, über Seelen
Darf er unumschränkt befehlen
Und bereichert selbst den Staat
Als geheimer Steuerrat.
So nun fünfundzwanzig Jahr
Wirkt der teure Jubilar;
Viel geschmäht und viel geliebt
Hat er treu sein Amt geübt;
Von den Hassern unbeirrt,
Von den Lobern unverwirrt,
Ging er ruhig seinen Schritt,
Und der Herr ging segnend mit.
Für des Volkes Wohl und Schmerz
Immerdar ein warmes Herz,
Für die Sünde hier und dort
Immerdar ein furchtlos Wort,
Für der Hilfefleh'nden Chor
Immerdar ein off'nes Ohr,
Für die Not in Stadt und Land
Immer eine milde Hand! -
Traun, hier sitzt manch braver Mann,
Aber Er hat mehr gethan.
Heut ist's fünfundzwanzig Jahr,
Und noch bleichte kaum sein Haar,
Sein lebendig‘ Zeugenwort
Tönt noch am gewohnten Ort;
Seines Geistes Leuchte flammt
Helle noch im heil'gen Amt;
Denn die auf den Herrn vertrau'n,
Dürfen seine Wunder schau'n,
Kriegen morgen neue Kraft,
Wenn sie heut sich müd geschafft,
Fahren wie die Adler auf,
Werden nimmer matt im Lauf. — (Jes. 40, 31)
Segne Gott denn ferner ihn,
Setz' ihn uns zum Segen hin, (1 Mose 12,2.)
Und sein heutig Losungswort (Ruth 2, 4.)
Kling' in späte Tage fort:
"Boas sprach: der Herr mit euch!
Und die Knechte allzugleich,
Hell im Chor, einmütiglich
Riefen laut: Gott segne ...
Lesen Sie den gesamten Text (92 Zeilen)
Ähnliche Gedichte entdecken
|

Karl Gerok
|
|
|
|
|