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Verwandte Gedichte |  Rilke, Das Rosen-Innere   
 Dauthendey, Es war einmal ein Tag, wo der Boden nicht brannte
 Grün, Bundeslied
 George, An die Kinder des Meeres - I.
| | |  | |  | Es war einmal ein Tag, wo der Boden nicht brannteMax Dauthendey Es war einmal ein Tag, wo der Boden nicht brannte,
Wo ich Dich Sorglose als Sorgloser grüßte,
Wo ich Dich Namenlose zum letzten Mal nannte,
Und dieser Tag geht jetzt niemals zur Rüste.
Ich ahnte nicht, welcher Fluch mir da drohte.
Nicht, als ich bewillkommte Deine glitzernden Haare,
Daß unter meinen Fingern eine unbeweinte Tote,
Eine Ebengestorbene, und mein Herz eine Bahre.
Wie der Hochsommertag, aufgegangen in Bläue,
Lebte ich unendlich bis ans Ende der Erde.
Sprach das Wort "Liebe" aus und das Wort "Treue",
Wie Namen von Hausgerät am ererbten Herde.
Wußte nicht, daß da Tage ohne Gnade hinleben,
Wußte nicht, daß da Tage jeden Tag überragen,
Und jener, der will keinen Abend nie geben,
Ich muß ihn noch schlaflos durch Nächte hintragen.
Seit jenem ist um mich ein Herbsten für immer,
Und von allen Tagen erkenn' ich das Ende,
Auf jüngsten Gesichtern den alternden Schimmer,
Und die Todesstunde im Druck aller Hände.
O, daß ich noch einmal vom Sorglosen wüßte,
Von grimmigen Worten nur ohne Tat!
Niemals geht der endlose Tag zur Rüste,
Dessen Fluch den unsterblichsten Körper hat. -
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Max Dauthendey
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|  | BundesliedAnastasius Grün Nicht mit Spießen, Mörsern, Stangen
Ziehn wir in den heil’gen Streit;
Mag nach solchen Waffen langen,
Wer nicht bessre hält bereit!
Nicht ist in der Burg von Steine
Uns verschanzt der Heeresbann,
Nein, im Busen drin die seine
Schirmt wohl auch der einz’le Mann.
Dem sorglosen Feind beim Becher
Senden wir nicht Dolch und Gift;
Sonnenstrahl ist unser Rächer,
Weh, wen der ins Herz nicht trifft!
Nicht ein Streit um Landesmarken
Und um irdisch Gut und Blut,
Nein, uns macht zum Kampf erstarken
Ein unsterblich, göttlich Gut!
In dem dunklen Bauch der Berge
Suchet unser Zeughaus nicht,
Denn nicht sind Kobold’ und Zwerge
Lehrer uns in Recht und Pflicht.
Klimmt zu höchsten Bergesspitzen,
Dann vor euch im Sonnenstrahl
Seht ihr golden, silbern blitzen
Unser großes Arsenal.
Lichteswaffen, die kein Meister
Ird’scher Zunft euch schmieden darf,
Und womit der Herr der Geister
Einst die sünd’gen Engel warf;
Bundsgenossen, die entraffen
Uns kein Kerker mag, kein Schwert!
Fielen wir, stehn sie in Waffen
Unserm Recht noch, unversehrt.
Unsre Losung, hört sie schallen
Leis und laut im Lüftezug!
Vorwärts! rauscht der Strom im Wallen,
Vorwärts! dröhnt die Wolk’ im Flug.
Der Gedanke, der uns bündet,
Siegreich schwebt er ob dem All,
Dort als Nordens Licht entzündet,
Hier im Bergschacht als Kristall.
Aus des Vogels Kehle drängt er
Sich als Lied im Lüfteraum,
Und verwandelt wieder hängt er
Dort als Blüthenreis am Baum.
Wie ein süß Geheimniß spendet
Flüsternd ihn der Wiesenbach,
Doch als Donnerpredigt sendet
Ihn der Katarakt euch nach.
Ja der Blitz selbst, nachtentsprungen,
Wenn er durch die Wolken bricht,
Stottert nach mit trunknen Zungen
Gottes Wort: Es werde Licht!
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Anastasius Grün
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