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 Spitteler, Trauermantel 

 

Trauermantel

Carl Spitteler

(als Nachwort)

Mancher ist eines dicken Werks genesen,
Dichtwerke kann er darum doch nicht lesen.
Wieviel Ästhetik auch Gottlob vorhanden
Und Kunstgeschwätz, der Dichter singt's zuschanden.

In Rom, Ferrara, Sant Onofrio
Fahn' sie nach Briefen, schmökern sie nach Quellen;
Doch führt sie vor des Meisters schönste Stellen,
So meckern Sie "Warum? wozu? wieso?"

An einem funkelgrünen Junitag,
Am Nachmittag, als ich im Höfchen lag,
Ward mir allmählich dunkel doch bewußt
Das Kandidatexamen End' August.

Arbeit im Zimmer will mir nicht behagen;
Vielleicht wird jemand mir die Bücher tragen.
Cousinen hat man meistens bei der Hand;
So stiegen wir auf einen Luginsland,
Im Luginslande war ein Känsterlein
Am Guggisberg mit einem Fensterlein.
Hier wollt ich mich mit Wissenschaft enttören:
"Kinder! Im Ernst!! Heut' dürft ihr mich nicht stören!"

Philo-Päda-logie-sophie-gogie
Wollt' ich ergründen. Es gelang mir nie.

Ich glaub', das Klima war mir dort zuwider;
Ich saß nicht recht, stets rutscht' ich auf und nieder;
Der Schatten auf den Lettern reizte mich,
Die Sonne durch die Blätter beizte mich -
- Weiß Gott! ein Tasso steckt' in meiner Weste!!
Ich nahm und las ihn aufs Geratebeste.
Und plötzlich: Siehe da, in welchem Maß
Ich jetzt bequem und nett und richtig saß!
Der Wald, zuwider dem gelehrten Kohl,
Wie tat er den erlauchten Liedern wohl!
Nichts störte mehr, was auch um mich geschah,
Und alles stimmte, was ich hört' und sah.
Zwei Spechte pickten um den Föhrenbaum;
Ich nickte: "Wirklich ist der schöne Traum."
Die Kinder tobten wie das wilde Heer;
Ich lobte sie. Da tobten sie noch mehr.
Das Wiesenmättelein so lind und weich,
Ich tat es in Klorindens Königreich;
Auf diesem grünen Teppich von Smaragd
Hier möcht' ich streiten seh'n die kühne Magd.

Und siehe, aus dem finstren Fichtentor
Reiten vier Trauermäntel stolz hervor.
Und während zwei sich ins Versteck postieren,
Beginnt das andre Paar ein keck Tjostieren.
Abstände nehmen sie im tiefen Wald.
- Die Elster schreit: da sprengen sie alsbald
Auf edlen Rappen, hoch, in prächt'ger Rüstung
Über Gebüsch und Schrankenwand und Brüstung.

- Wie blitzt im Sonnenschein ihr Goldgewehr!
- Wie jagen sie im Sturmgalopp daher!
Es führen beide ritterlichen Knappen
Dieselben Kleider und dieselben Wappen:
Ein düstres veilchensamtenes Gewand
Und um den Rand ein blaues Streifenband.
- Sobald die Elster das Tournier beendet,
Schwenken sie ab, nach links und rechts gewendet.
Doch kaum erscheint der Kampfplatz wieder klar,
Stürmt schon herein das zweite Ritterpaar.
Die ersten hemmen nicht den mut'gen Willen,
Sie halten mit und fechten in Quadrillen.

Jetzt können wir das Buch beiseite legen
Und unser Herz mit eig'nem Glück bewegen.
Wer mit geschloss'nem Buche weiter liest,
Den fraget, wie man Dichterwerk genießt.
Bald kamen auch die Mägdlein, wohlgetan
Mit einem Hut voll schwarzer Kirschen an.
Sie lachten laut und schrieen unverhohlen:
"Willst du nicht auch? wir haben sie gestohlen."

Warum an Kindern ewig pestalozzen?
Die Kirschen mocht' ich gerne mitschmarotzen.
So aßen wir in großer Einigkeit,
Im weichen Rasen lungernd weit und ...

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