Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz 

Gedichte


Gedichte » Dichter () » » » Verwandte Gedichte


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum /
Datenschutz

WISSEN
Fachtermini

  

Verwandte Gedichte

 Fritz Reuter, Hanne Nüte un de lütte Pudel 8 
 Adolf Ey, Die Wasserleitung 
 Matthisson, Mondscheinlied 

 

Hanne Nüte un de lütte Pudel 8

Fritz Reuter

Un Sparlingsjochen slickt ganz lisen,
Ganz heimlich äwr’e Dälenflisen
Un wippt in sine Kamerdör;
Sin Ollsch, de rätert in ehr Bedd.
»Du wach’st woll noch,« fröggt hei, »ma chère«?-
De Ollsch is still un sitt un brödd.
»Das Wetter is heut angenehm,«
Seggt hei un makt sik dat bequem,
»Auch kann ich Neues Dir berichten,
Die Nachtigal is wieder hier
Mit neue Lieder un Gedichten,
Sie wohnt hier dicht bei uns’ Quattir,
Un was die Krei is, soll in Wochen;
Ich hätt den Ollen selbsten sprochen,
Er stoppt ihr just das Wochenbedd.« -
De Ollsch seggt nicks un brödd un brödd. -
»Ob sei woll ehren Dullen hett?«
Denkt hei. »Dat will’n wi gliksten seihn.«
Un ward de Stäweln runne teihn.
»Na, Lotting, is auch was passirt?
Ich mein, ob Keiner hier is west?« -
Doch still sitt Lotting in ehr Nest,
Un sitt un sitt un brödd un brödd. -
»Ich frag’, ob Keiner fragt hir hett?
Is Keiner hir west? Antwurt blos!« -
Na, nu breckt äwer Lotting los:
»»Du Rümmerdriwer Du! Du lettst mi sitten!
Du kümmerst Di nich für en Witten
Üm mi, üm Din verlat’ne Fru;
Du geist Din Weg’, Du Slüngel Du! -
Jawoll frog Einer hir nah Di:
De Dokter Grischow schickt sin Stubenmäten,
Sin dumme Draußel hadd de Hälfte Melodi
Von ehr oll dämlich Lied vergeten,
Sei kem blot bet: »So leben wi, so leben wi,
So leb’n wi alle Dag’!«
Doch mit anner, mit de »Saufkumpani,«
Dor hadd sei ümmer ehre Plag’;
Dat wull ehr gor nich mihr gelingen,
Du süllst doch kamen, ehr dat bitaubringen,
Denn Kein, as Du, künn’t so natürlich singen.««-
»O pfui,« seggt Sparling, »pfui Dich, Lotte! -
Wo, dies soll’n jo woll Spitzen sin?
Wo? Machst Du mir zu Deinem Spotte,
Der ich Dein Ehegatte bün?
Hast Du die Zärtlichkeit vergeten?
Vergaß’st Du meine treue Minne,
As Du as Wittwe hir hest seten,
Dat ganze Nest vull lütte Kinne? -
Hast Du vergessen, was Du mir geschworen
Dor achter’n Tun bi’n Möllergoren?«
Un ward in Nachtjack un in Unnerhosen
In’t Timmer hellschen rümstolziren,
Un äwer Slichtigkeiten deklamiren,
Un in ’ne Wuth sik rinne bosen.
Un ritt de Nachtmütz von den Kopp
Un fröggt taum tweiten Mal ehr, ob
Sei nich mihr dacht’ an’n Möllergoren. -
Un Lotting fängt still an tau rohren,
Un weint so sachten vör sik hen,
Un süfzt denn mal eins denn un wenn,
Un sitt in Thranen up ehr Eier,
Un Jochen set’t de Nachtmütz wedder up
Un seggt verdreitlich: »Ja, de olle Leier!

Irst fängst Du an un rührst de Supp
Di t’recht, un nahsten nicks as Leiden! -
Na, rück’ bis zu, ich helf’ Dir ’n Bitschen bräuden,«
Un klemmt sik up de Eier rup.
»Ich bin kein Unmensch nich und liebe
Mein eigen Fleisch und Blut und Brut
Mit jedem väterlichen Triebe;
Ich bün nich, wie der Kukuk thut,
Der seine Kinder, eh’ er sie gesehn,
Als Waisen in die Welt läßt gehn.
Ich bün ein Vater von Gefühl,
Bün’s in des Worts verwegenster Bedeutung.
Nun aber wein’ mich nicht zu viel,
Un ström nicht wie ’ne Wasserleitung!« -
Doch Lotting weint sacht vör sik hen. -
»Na, sprich doch mal! Was is Dich denn?
Sprich Lotte; antwort’ doch, Charlotte!
Es wird zuletzt bei Dir noch zur Marotte,
Daß thränentröpfelnd Du hier sitz’st qui pleure,
Wenn ich qui rit nach Hause kehre.
Na, Lotting, sprich Dir deutlich aus!« -
Un Lotting snuckt: »»De gele - gele Gaus.«« -
»Hinc,« röppt de Spatz: »hinc illae lacrimae!
Dat heit up Dütsch: Dor heww’n wi nu den Thee! -
Üm de oll Gelgaus dir Gerohr?
De Gelgaus? - Frilich is dat wohr,
In meiner jungen Creatur
Steckt viel, sehr viel erbsündliche Natur;
Doch diese Gelgaus, Lotte, - nie!
Denn gelb war mir von je zuwider.
Man nennt dies Idiosynkrasie.
Doch, Lotting, dit versteist Du nich!
Un’t schad’t ok nich. - Genug, ich bin -
Hol mich die Katz! -
Dein treuer Spatz.
Nu äwerst lat dat Weinen sin!« -
Un ward sei fründlich äwerstraken.
Un Lotting seggt: »»Hir ’st gor tau heit,
Willst nich dat Finster apen maken?«« -
Un as hei an dat Finster geit,
Un schüwwt taurügg de Finsterlucht,
Sleit Frühjohrs Abend, warm un fucht,
Den weiken Arm üm sinen Nacken,
Un küßt em up de brunen Backen,
Un flustert lising em in’t Uhr:
»Schick wider! wider! du Hanswust!
Den Kuß, den schickt di de Natur,
Schickt Gras un Blaum in Frühjohrskust.«
Un Jochen bögt sik fründlich dal
Un küßt sind Fru, un küßt s’ noch mal:
»Schick wider, Lotting, wider! wider!«
De hett just keinen Annern nich,
Un giwwt den Kuß an Jochen t’rügg,
Un Jochen küßt sei noch einmal:
»Dies, Lotting, nennt man Sympathie.«
Un Lotting lacht un dukert dal;
Swabb! fohrt de Kuß an ehr vörbi,
Un Abendwind, de grippt en sik,
Bringt en an Blaum un Gras taurügg;
So geit hei ümmer in de Run’n,
So geit in Frühjohrs Abendstun’n
Hei ümmer noch von Mun’n tau Mun’n. ...

 Lesen Sie den gesamten Text (126 Zeilen)
 Ähnliche Gedichte entdecken




Fritz  Reuter

Fritz Reuter

Die Wasserleitung

Adolf Ey


Am Brunnen vor dem Tore
Da ward zu jeder Zeit
Um junge frische Dirnen
Bei kühlem Trunk gefreit.

Am Brunnen vor dem Tore
Im Lande Kanaan
Des Orients glühendste Blume
Sich Jakob einst gewann.

Am Brunnen vor dem Tore
Hat um das sonnigste Kind
Von Norweg König Sigurd
Mit Jugendkraft geminnt.

Am Brunnen vor dem Tore,
Das Herz voll Lust und Weh,
Warb Hermann der deutschen Frauen
Herrlichste, Dorothee.

Die Brunnen an Tor und Gassen —
Wo ist ihr fröhlich Naß?
Das Frein an der Wasserleitung
Macht keinem Menschen Spaß.

 Text von Adolf Ey drucken
 Ähnliche Gedichte entdecken




Adolf  Ey

Adolf Ey




Mondscheinlied

Friedrich von Matthisson


Der Vollmond schwebt in Osten;
Am alten Geisterturm
Flimmt bläulich im bemoosten
Gestein der Feuerwurm.
Der Linde schöner Sylphe
Streift scheu in Lunens Glanz,
Im dunklen Uferschilfe
Webt leichter Irrwischtanz.

Die Kirchenfenster schimmern;
In Silber wallt das Korn;
Bewegte Sternchen flimmern
Auf Teich und Wiesenborn;
Im Lichte wehn die Ranken
Der öden Felsenkluft;
Den Berg, wo Tannen wanken,
Umschleiert weißer Duft.

Wie schön der Mond die Wellen
Des Erlenbachs besäumt,
Der hier durch Binsenstellen,
Dort unter Blumen schäumt,
Als lodernde Kaskade
Des Dorfes Mühle treibt,
Und wild vom lauten Rade
In Silberfunken stäubt.

Die Pappelweide zittert,
Nun dämmernd, nun umblinkt,
Wo von Jesmin umgittert
Die Sommerlaube winkt,
Und mit geflochtnem Pförtchen,
Das auf den Weiher sieht,
Ein ländlich stilles Gärtchen
Die Fischerhütt’ umblüht.

Durch Fichten senkt der Schimmer,
So bleich und schauerlich,
Auf die bebüschten Trümmer
Der Wasserleitung sich,
Bestrahlt die düstern Eiben
Der kleinen Meierei,
Und hellt die bunten Scheiben
Der gotischen Abtei.

Wie sanft verschmilzt der blassen
Beleuchtung Zauberschein
Die ungeheuren Massen
Gezackter Felsenreih'n,
Dort wo, in milder Helle,
Von Immergrün umwebt,
Die Eremitenzelle
An grauer Klippe schwebt.

Der Elfen Heere schweifen
Durch Feld und Wiesenplan,
Es deuten Silberstreifen
Dem Schäfer ihre Bahn;
Er weiß am Purpurkreise,
Vom Wollvieh verschmäht,
In welchem Blumengleise
Ihr Abendreih'n sich dreht.

Bald bergen, bald entfalten,
In lieblicher Magie,
Sich wechselnd die Gestalten
Der regen Phantasie.
Die zarten Blüten keimen,
O Mond! an deinem Licht,
Die sie, in Feenträumen,
Um unsre Schläfe flicht.

 Text von Matthisson drucken
 Ähnliche Gedichte entdecken




Friedrich von Matthisson

Friedrich von Matthisson

 



















Konzept, Gestaltung und Inhalt © B. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek