Sahst du den Genfer See nach Sonnenuntergang,
Wenn des Gebirges Glüh'n in blauen Duft versank,
Wenn kaum der blasse Mond den steilen Fels erklomm
Und Abendglocken rings ertönten still und fromm?
Sahst du die Barke dort! Sie schwamm gleich einem Schwan
Vorm leichten Abendwind die goldne Wasserbahn;
Lang abgemessen klang der Schiffer Ruderschlag,
Und wie ein schöner Traum erlosch im West der Tag.
Sahst du das alte Schloß? Die Türme schienen grau
Der grüne Epheu schlang sich um den düstern Bau;
Es schlug die Woge dumpf und hohl an Chillons Fuß
Und wie von fern erklang ein banger Geistergruß.
Sahst du mein Montreux auch mit seinem Gotteshaus
Aus Vignen schaute es und dunklem Laub heraus;
Sennhütten grüßten traut und freundlich von der Hc
Und spiegelten ihr Bild im mondbeglänzten See.
O Freund, ich sah den See nach Sonnenuntergang,
Wenn des Gebirges Glüh'n in blauen Duft versank;
Im kalten Norden wird mir um das Herz so weh,
Wenn ich an Montreux denk' und an den Genfer Se
Die purpurne Sirene dröhnt
Mit stumpfer Strenge ohnegleichen.
Die letzten Strahlenwinde streichen
Die Wimpel ein und Aufbruchszeichen.
Gott stößt vom Ufer, wieder unversöhnt.