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Verwandte Gedichte

 Klabund, Sommerbetrachtung 
 Oskar Loerke, Der Silberdistelwald 
 Henckell, Schweigen im Walde 
 Kolmar, Das Einhorn 

 

Sommerbetrachtung

(Alfred Henschke) Klabund


Hier saß ich oft. An diesem grünen Strauch.
Die Rosen blühen heute röter noch.
Die Fuchsien halten ihre Farbe auch.
Es bellt am Zaun der kahle Köter noch.

Die Espe zittert, weil es ihr Beruf.
Den roten Pilz betreut der Regenwurm.
Ein Einhorn scharrt versonnen mit dem Huf.
Die Sonne steht als Frau auf einem Turm.

Der Sommer herbstelt. Im geharkten Kies
Geht an der Krücke ein geborstner Greis.
Ein Kind spielt Mutter. Und es lächelt leis,
Als ich ihm eine offne Grube wies.

Bei jedem Schritte trifft man auf ein Grab
Von Leuten, die noch längst am Leben sind.
O liebstes Herz, dem meinen Leib ich gab:
Wie wohlig weht durch mein Skelett der Wind!

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(Alfred Henschke) Klabund

(Alfred Henschke) Klabund

Der Silberdistelwald

Oskar Loerke


Mein Haus, es steht nun mitten
Im Silberdistelwald.
Pan ist vorbeigeschritten.
Was stritt, hat ausgestritten
In seiner Nachtgestalt.

Die bleichen Disteln starren
Im Schwarz, ein wilder Putz.
Verborgne Wurzeln knarren:
Wenn wir Pans Schlaf verscharren,
Nimmt niemand ihn in Schutz.

Vielleicht, daß eine Blüte
Zu tiefer Kommunion
Ihm nachfiel und verglühte:
Mein Vater du, ich hüte,
Ich hüte dich, mein Sohn.

Der Ort liegt waldinmitten,
Von stillstem Licht gefleckt.
Mein Herz - nichts kam geritten,
Kein Einhorn kam geschritten -
Mein Herz nur schlug erweckt.

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Schweigen im Walde

Karl Henckell


Still! Schweigendes Geheimnis künden
Will weltverloren sich. Kein Laut.
In dämmergrünen Waldesgründen
Auf Rehes Spur
Das Einhorn nur
Groß auf des Mooses Sonnenzittern schaut.
Wenn jetzt ein Zweig zur Erde fiele,
Es wär’ ein Lärm in heiliger Ruh,
Frau Märe schaut dem stummen Spiele
Seltsamer Lichter staunend zu.
Die Flecken an den Stämmen funkeln,
Die Pilze leuchten plötzlich hell,
Auf einmal liegt der Wald im Dunkeln,
Laubgeister wispern leis und flüstern,
Sacht tränkt das Einhorn sich am Quell.

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Karl Henckell

Karl Henckell

Das Einhorn

Gertrud Kolmar


Der Pfauen Pracht,
Blau, grün und gülden, blühte in Dämmerung
Tropischer Wipfelwirrnis, und graue Affen
Fletschten und zankten, hangelten, tummelten, balgten sich
im Geschlinge.
Der große Tiger, geduckt, zuckte die Kralle, starrte, verhielt,
Als das stumme seltsame Wild durch seine indischen Wälder
floh,
Westwärts zum Meere.

Das Einhorn.

Seine Hufe schlugen die Flut
Leicht, nur spielend. Wogen bäumten sich
Übermütig,
Und es lief mit der wiehernd springenden, jagenden
silbermähnigen Herde.
Über ihnen
Schrieb Flug schwarzer Störche eilige Rätselzeichen an den
Himmel Arabiens,
Der mit sinkender Sonne eine Fruchtschale bot:
Gelbe Birnen, gerötete Äpfel,
Pfirsich, Orange und prangende Trauben,
Scheiben reifer Melone.
Schwarze Felsen glommen im Untergange,
Amethystene Burgen,
Weiße glühten, verzauberte Schlösser aus Karneol und
Topas.

Spät hingen Rosennebel über den taubenfarb dunkelnden
Wassern der Bucht.

Das Einhorn.

Seine Hufe wirbelten Sand,
Der lautlos stäubte. Es sah
Einsame Städte, bleich, mit Kuppel und Minarett und den
Steinen der Leichenfelder
Schweigend unter dem klingenden Monde. Es sah
Trümmer, verlassene Stätten, nur von Geistern behaust, in
funkelnder Finsternis
Unter kalten Gestirnen.
Einmal lockte der Wüstenkauz,
Und im Fernen heulten Schakale klagend;
Hyänen lachten.
Am Eingang des Zeltes unter der Dattelpalme
Hob das weiße syrische Dromedar träumend den kleinen
Kopf, und seine Glocke tönte.

Vorüber das Einhorn, vorüber.

Denn seine leichten, flüchtigen Füße kamen weit her aus
dem Goldlande Ophir,
Und aus seinen Augen glitzerten Blicke der Schlangen, die
des Beschwörers Flöte aus Körben tauchen, gaukeln
und tanzen heißt,
Doch das steile Horn seiner Stirnmitte goß sanfteres Licht,
milchig schimmerndes,
Über die nackten Hände und weich umschleierten Brüste
der Frau,
Die da stand
Zwischen Mannasträuchern.
Ihr Gruß:
Demut
Und der stille Glanz tiefer, wartender Augen
Und ein Hauchen, leise quellendes Murmeln des Mundes. -
Brunnen in Nacht.

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