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Verwandte Gedichte |  Dauthendey, Im Paradies
 Fritz Reuter, Hanne Nüte un de lütte Pudel 8
 Adolf Ey, Die Wasserleitung
 Matthisson, Mondscheinlied
| | |  | Im ParadiesMax Dauthendey
Wie weißes Eisen glüht die Sonnenluft. Jeder Atemzug ein Schluck qualmendes Blut.
Der stumme Mann hält seinen Hut in der Hand. Die Straße hinauf. Immer im Schatten. Den schmalsten Schattenrand benutzend, und über die Strecken, wo sie die Trottoirs besprengt hatten, mit Behagen in die glatten dunklen Lachen.
Er war schon vorbei. Aber die Kühle zog sich ihm in den Nacken. Da trat er zurück in die weite hohe Türe, in die eisig nächtige Kirche.
Einen Augenblick kreiste und zersprang es in flimmernden Blasen und splitterndem Sand über seiner Haut, seinen Augen. Bis Wärme und Kälte sich gemischt hatten. Und auch das Licht, das er in sich trug mit dem Dunkel um ihn.
Durch die hageren langen Fenster filtrierte nur dünnes Nebellicht. Aber das Säulengold und das Altargold troff in dem wenigen Lichte blankschweißig. Das Purpurgehänge am Hochaltar mit dem Staubpelz blähte sich üppig in feisten Falten.
Unten in braunen trägen Chorstühlen hockten alte Frauen und standen graue runzlige Männer, wie in Ställe gepfercht, und andere kamen, tauchten drei Finger in das gelbe, steinerne Weihwasserbecken und besprengten sich.
Aber alle starrten zu den goldenen Puppen und dem Bilde eines Hingerichteten zwischen roten Marmorsäulen.
Da kam eine schamdunkle Demütigung über den stummen Mann.
Siehe, diese sind alle deine Brüder und Schwestern.
Und sie knien hier, gläubig vor dem Golde und dem Flitter und hoffen und verlangen. Und keiner unter ihnen ahnt, daß er vor einem tauben Loche kniet.
Das Loch gibt ihnen nichts als seinen hohlen leeren Atem. Aber sie glauben ihm, denn es läßt die Hoffnungen auf der einen Seite ungehindert ein, auf der andern wieder hinaus. Und weil das Loch so gutmütig ist und ihr Wünschen nicht hemmt, haben sie Gold um seinen Schlund gebaut und Marmor und Purpur. Halten es heilig, weil es so sehr bequem, so ungemein beruhigend ist, dies Wunschloch.
Aber es wird eine Zeit kommen mit zurückgeworfenem Nacken und Knien von Eisen und gehärteten Augen, vor ihnen wird das Gold und aller Flitter vor dem Loche wie weichliche Daunen zerstäuben, und sie werden den Blick der Leere ertragen.
Es ist traurig, wie diese hier blöde wie Tiere ...
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|  | Hanne Nüte un de lütte Pudel 8Fritz Reuter
Un Sparlingsjochen slickt ganz lisen,
Ganz heimlich äwr’e Dälenflisen
Un wippt in sine Kamerdör;
Sin Ollsch, de rätert in ehr Bedd.
»Du wach’st woll noch,« fröggt hei, »ma chère«?-
De Ollsch is still un sitt un brödd.
»Das Wetter is heut angenehm,«
Seggt hei un makt sik dat bequem,
»Auch kann ich Neues Dir berichten,
Die Nachtigal is wieder hier
Mit neue Lieder un Gedichten,
Sie wohnt hier dicht bei uns’ Quattir,
Un was die Krei is, soll in Wochen;
Ich hätt den Ollen selbsten sprochen,
Er stoppt ihr just das Wochenbedd.« -
De Ollsch seggt nicks un brödd un brödd. -
»Ob sei woll ehren Dullen hett?«
Denkt hei. »Dat will’n wi gliksten seihn.«
Un ward de Stäweln runne teihn.
»Na, Lotting, is auch was passirt?
Ich mein, ob Keiner hier is west?« -
Doch still sitt Lotting in ehr Nest,
Un sitt un sitt un brödd un brödd. -
»Ich frag’, ob Keiner fragt hir hett?
Is Keiner hir west? Antwurt blos!« -
Na, nu breckt äwer Lotting los:
»»Du Rümmerdriwer Du! Du lettst mi sitten!
Du kümmerst Di nich für en Witten
Üm mi, üm Din verlat’ne Fru;
Du geist Din Weg’, Du Slüngel Du! -
Jawoll frog Einer hir nah Di:
De Dokter Grischow schickt sin Stubenmäten,
Sin dumme Draußel hadd de Hälfte Melodi
Von ehr oll dämlich Lied vergeten,
Sei kem blot bet: »So leben wi, so leben wi,
So leb’n wi alle Dag’!«
Doch mit anner, mit de »Saufkumpani,«
Dor hadd sei ümmer ehre Plag’;
Dat wull ehr gor nich mihr gelingen,
Du süllst doch kamen, ehr dat bitaubringen,
Denn Kein, as Du, künn’t so natürlich singen.««-
»O pfui,« seggt Sparling, »pfui Dich, Lotte! -
Wo, dies soll’n jo woll Spitzen sin?
Wo? Machst Du mir zu Deinem Spotte,
Der ich Dein Ehegatte bün?
Hast Du die Zärtlichkeit vergeten?
Vergaß’st Du meine treue Minne,
As Du as Wittwe hir hest seten,
Dat ganze Nest vull lütte Kinne? -
Hast Du vergessen, was Du mir geschworen
Dor achter’n Tun bi’n Möllergoren?«
Un ward in Nachtjack un in Unnerhosen
In’t Timmer hellschen rümstolziren,
Un äwer Slichtigkeiten deklamiren,
Un in ’ne Wuth sik rinne bosen.
Un ritt de Nachtmütz von den Kopp
Un fröggt taum tweiten Mal ehr, ob
Sei nich mihr dacht’ an’n Möllergoren. -
Un Lotting fängt still an tau rohren,
Un weint so sachten vör sik hen,
Un süfzt denn mal eins denn un wenn,
Un sitt in Thranen up ehr Eier,
Un Jochen set’t de Nachtmütz wedder up
Un seggt verdreitlich: »Ja, de olle Leier!
Irst fängst Du an un rührst de Supp
Di t’recht, un nahsten nicks as Leiden! -
Na, rück’ bis zu, ich helf’ Dir ’n Bitschen bräuden,«
Un klemmt sik up de Eier rup.
»Ich bin kein Unmensch nich und liebe
Mein eigen Fleisch und Blut und Brut
Mit jedem väterlichen Triebe;
Ich bün nich, wie der Kukuk thut,
Der seine Kinder, eh’ er sie gesehn,
Als Waisen in die Welt läßt gehn.
Ich bün ein Vater von Gefühl,
Bün’s in des Worts verwegenster Bedeutung.
Nun aber wein’ mich nicht zu viel,
Un ström nicht wie ’ne Wasserleitung!« -
Doch Lotting weint sacht vör sik hen. -
»Na, sprich doch mal! Was is Dich denn?
Sprich Lotte; antwort’ doch, Charlotte!
Es wird zuletzt bei Dir noch zur Marotte,
Daß thränentröpfelnd Du hier sitz’st qui pleure,
Wenn ich qui rit nach Hause kehre.
Na, Lotting, sprich Dir deutlich aus!« -
Un Lotting snuckt: »»De gele - gele Gaus.«« -
»Hinc,« röppt de Spatz: »hinc illae lacrimae!
Dat heit up Dütsch: Dor heww’n wi nu den Thee! -
Üm de oll Gelgaus dir Gerohr?
De Gelgaus? - Frilich is dat wohr,
In meiner jungen Creatur
Steckt viel, sehr viel erbsündliche Natur;
Doch diese Gelgaus, Lotte, - nie!
Denn gelb war mir von je zuwider.
Man nennt dies Idiosynkrasie.
Doch, Lotting, dit versteist Du nich!
Un’t schad’t ok nich. - Genug, ich bin -
Hol mich die Katz! -
Dein treuer Spatz.
Nu äwerst lat dat Weinen sin!« -
Un ward sei fründlich äwerstraken.
Un Lotting seggt: »»Hir ’st gor tau heit,
Willst nich dat Finster apen maken?«« -
Un as hei an dat Finster geit,
Un schüwwt taurügg de Finsterlucht,
Sleit Frühjohrs Abend, warm un fucht,
Den weiken Arm üm sinen Nacken,
Un küßt em up de brunen Backen,
Un flustert lising em in’t Uhr:
»Schick wider! wider! du Hanswust!
Den Kuß, den schickt di de Natur,
Schickt Gras un Blaum in Frühjohrskust.«
Un Jochen bögt sik fründlich dal
Un küßt sind Fru, un küßt s’ noch mal:
»Schick wider, Lotting, wider! wider!«
De hett just keinen Annern nich,
Un giwwt den Kuß an Jochen t’rügg,
Un Jochen küßt sei noch einmal:
»Dies, Lotting, nennt man Sympathie.«
Un Lotting lacht un dukert dal;
Swabb! fohrt de Kuß an ehr vörbi,
Un Abendwind, de grippt en sik,
Bringt en an Blaum un Gras taurügg;
So geit hei ümmer in de Run’n,
So geit in Frühjohrs Abendstun’n
Hei ümmer noch von Mun’n tau Mun’n. ...
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Fritz Reuter
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|  | |  | MondscheinliedFriedrich von Matthisson Der Vollmond schwebt in Osten;
Am alten Geisterturm
Flimmt bläulich im bemoosten
Gestein der Feuerwurm.
Der Linde schöner Sylphe
Streift scheu in Lunens Glanz,
Im dunklen Uferschilfe
Webt leichter Irrwischtanz.
Die Kirchenfenster schimmern;
In Silber wallt das Korn;
Bewegte Sternchen flimmern
Auf Teich und Wiesenborn;
Im Lichte wehn die Ranken
Der öden Felsenkluft;
Den Berg, wo Tannen wanken,
Umschleiert weißer Duft.
Wie schön der Mond die Wellen
Des Erlenbachs besäumt,
Der hier durch Binsenstellen,
Dort unter Blumen schäumt,
Als lodernde Kaskade
Des Dorfes Mühle treibt,
Und wild vom lauten Rade
In Silberfunken stäubt.
Die Pappelweide zittert,
Nun dämmernd, nun umblinkt,
Wo von Jesmin umgittert
Die Sommerlaube winkt,
Und mit geflochtnem Pförtchen,
Das auf den Weiher sieht,
Ein ländlich stilles Gärtchen
Die Fischerhütt’ umblüht.
Durch Fichten senkt der Schimmer,
So bleich und schauerlich,
Auf die bebüschten Trümmer
Der Wasserleitung sich,
Bestrahlt die düstern Eiben
Der kleinen Meierei,
Und hellt die bunten Scheiben
Der gotischen Abtei.
Wie sanft verschmilzt der blassen
Beleuchtung Zauberschein
Die ungeheuren Massen
Gezackter Felsenreih'n,
Dort wo, in milder Helle,
Von Immergrün umwebt,
Die Eremitenzelle
An grauer Klippe schwebt.
Der Elfen Heere schweifen
Durch Feld und Wiesenplan,
Es deuten Silberstreifen
Dem Schäfer ihre Bahn;
Er weiß am Purpurkreise,
Vom Wollvieh verschmäht,
In welchem Blumengleise
Ihr Abendreih'n sich dreht.
Bald bergen, bald entfalten,
In lieblicher Magie,
Sich wechselnd die Gestalten
Der regen Phantasie.
Die zarten Blüten keimen,
O Mond! an deinem Licht,
Die sie, in Feenträumen,
Um unsre Schläfe flicht.
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