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Gedichte » Anton Wildgans » Dreißig Gedichte » Zueignungen » Einem, dem ich nichts verschweige


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Einem, dem ich nichts verschweige

Ich habe manches bittre Lied gesagt,
Doch Bitterstes von allen Bitternissen
Ist, eines Tages, jäh erschreckt, zu wissen,
Daß Gift und Fäulnis an der Freundschaft nagt.

Dem hat die Kraft zum eignen Werk versagt,
Den hat das Leben aus der Form gerissen,
Den hat die Schlange Eifersucht gebissen,
Und jenem hat sein Weib den Freund verklagt.

Nun hassen sie, und ihre Augen weichen
Dem Freundesblick wie scheue Tiere aus.
Und gibst du ihnen ein vertrautes Zeichen

Von ehedem, sie stehen kalt und gleichen
Einst wirtlichem, nun ausgestorbnem Haus,
Wo böse Geister durch die Zimmer schleichen.

Anton Wildgans, 1913
Aus der Sammlung Zueignungen





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