An Damis (II)Wen reizt nicht deine stete Freude,
Die Freyheit und Genügsamkeit,
Glückseliger, der auch dem Leide
Durch seine Tugenden gebeut.
Du, das Vergnügen Deiner Freunde,
Wann scheint Dir nicht Dein Schicksal schön?
Wann darf Dein Herz dem Menschenfeinde,
Dem schwarzen Unmuth, offen stehn?
Du lachst, wenn Neid und Schicksal toben,
Und sagst mit heiterem Gesicht:
Jetzt wollen wir den Himmel loben;
Nur bitten wollen wir ihn nicht.
An Dir verschwenden Feind und Spötter,
Die Phantasey, die Mitternacht,
Der Hypohonder, böse Wetter
Und Dünste fruchtlos ihre Macht.
Kein Ehrgeiz, der mit stillem Nagen,
Den Keim der Lust, die Ruh, verdirbt,
Reizt Dich, der Freyheit abzusagen,
Die neben hohen Aemtern stirbt.
Wie lächerlich sind Dir die Ehren,
Wodurch sich vieler Wahn entspinnt,
Als ob sie große Herren wären,
Da sie doch kleine Diener sind.
Das Glück, wornach die meisten schmachten,
Der Reichthum, seines Heeres Last,
Wird Dir nicht schwerer zu verachten,
Als wie ein Feind den andern haßt.
Ein Lied, das Deiner Kunst gelungen,
Und das Dein Freund mit Beyfall hört,
Und das ein schöner Mund gesungen,
Ist Dir schon Tonnen Goldes werth.
Ein leichter Kuß kann Dich entzücken,
Ein reiner Wein vergnügt Dein Herz;
Wohin nur Deine Augen blicken,
Entdeckst Du Stoff zur Lust, zum Scherz.
Du suchst in viel geringern Schätzen,
Als in dem Geld und Ruhm, Dein Heil,
Bist reich an Gaben, zu ergötzen,
Und keinem Herrn auf Erden feil.
Du hast die schwere Kunst erfunden,
Wie man vernünftig fröhlich ist;
Dein Lachen ist mit Ernst verbunden;
Dein Scherz zeigt, daß Du weise bist.
Dein feiner Spott ist voller Lehren;
Dein muntrer Witz wird angebracht,
Nicht eben, Sünder zu bekehren:
Doch auch nicht, daß er Sünder macht.
Glückseliger! an Deiner Seite
Genieß ich jeden Augenblick
Dich, der sein Herz mir ewig weihte,
Und Dein Vergnügen ist mein Glück.
Ergieb Dich stets der Lust und Liebe,
Der treuen Redlichkeit, dem Scherz,
Und Deinem großmuthsvollen Triebe
Für Deiner treuen Phillis Herz. Johanne Charlotte Unzer |