Das Lied vom SchattenKönntest wie die Lerchen du
Dich zum Aether heben,
Immer blieb der Schatten doch
An der Erde kleben.
Mahnen will der Schatten dich,
Dass du Sohn der Erde,
Dass dein stolz erhob’nes Haupt
Glaub und Asche werde!
Glück und Unglück, Lust und Pein
Ewiglich sich gatten.
Sieh, der hellste Sonnenschein
Schafft den tiefsten Schatten. –
Wenn des Glückes Sonnen mild
Unsern Pfad erhellten,
Zeigten sich dem inn’ren Blick
Schattenseiten selten. –
Treulich geht das dunkle Bild
Mit dir durch das Leben,
Bis zuletzt dem Schatten du
Musst Gehorsam geben,
Bis zuletzt der müde Leib
Zu ihm muss sich legen. –
Schattenhochzeit. Priester Tod
Spricht den Trauungssegen. Friedrich Emil Rittershaus Aus der Sammlung Licht und Freiheit |