Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz  Rückert 

Gedichte


Gedichte » Gottlieb Konrad Pfeffel » Alphons der Weise


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum
WISSEN
Fachtermini

  
 

Alphons der Weise

Am Tagus herrschte einst ein Fürst, den Fama preist
Und noch auf diesen Tag Alphons den Weisen heißt;
Nicht weil er klug, o nein, weil er gelehrt gewesen.
Alphonsus konnte nicht nur lesen,
Er war auch Astronom. Weit besser als sein Land
War ihm das Firmament bekannt,
Und er vergaß oft Staatsrat und Finanzen,
Wenn er auf seiner Warte stand.
Einst als er sich, umringt von seinen Schranzen,
Dahin begab, sprach er entzückt im Gehen:
Ich hoffe heut durch meine neuen Tuben
Die Menschen in dem Mond zu sehen.
Ei was, erwiderten die schlauen Lotterbuben,
Dies wäre zu gemein; ein bärtiger Komet,
Den noch kein Auge sah, wird sich herunter neigen
Und ehrfurchtsvoll sich Ihro Majestät
Versuchtem Adlerblicke zeigen.
Indes man also schwatzte, trat
Ein Greis mit kahlem Haupt und bloßer Ferse
Dem König in den Weg und bat
Um ein Geschenk aus seiner Börse.
Allein Alphons ward seiner nicht gewahr;
Der Alte trabt ihm nach und hält den Hut ihm dar;
Doch der Monarch sprach ohne stillzustehen
Nur immerfort: Ich werde heut
Die Menschen in dem Monde sehen.
Nun fasset ihn der Greis bei seinem Purpurkleid
Und ruft mit hohem Ernst: Sie wohnen nicht dort oben,
Herr, deine Brüder, deren Not
Zu lindern Gott dich auf den Thron erhoben,
Hier sind sie, hier, und fordern Brot.

Gottlieb Konrad Pfeffel, 1793





Gottlieb Konrad Pfeffel

Gottlieb Konrad Pfeffel



 Nächster Text von Pfeffel
   Gefällt Ihnen das Gedicht von Pfeffel?   ⇒ Kommentar/Rezension
  Weniger   Gut      Sehr gut   Ausgezeichnet     
 

 
   Gedichte, die Sie interessieren könnten ⇒ Übersicht  
2008  • Kunath: Die kleine Meise 
19./20. Jh.  • George: Trauer III 
Romantik  • Sallet: Tasso 
18./19. Jh.  • Rückert: Kindertodtenlieder (051) 
18./19. Jh.  • Rückert: Diese Weise klang mir 


Gedichtsuche

  Nur im Titel suchen    
 

Konzept, Gestaltung und Inhalt: © Chr. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek