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Amor und Saturn

Der Gott der Zeit ward grau und alt
Und ihm das Reisen schwer,
Doch drängte Jupiters Gewalt
Ihn über Land und Meer.
Er muhte fort Von Ort zu Ort:
Kein Seufzer, keine Klage
Erwarb ihm Ruhelage.

Matt schlich, den Stab in seiner Hand,
Der silberbärt'ge Greis
Durch Afrika's erglühten Sand
Und über Grönlands Eis;
Und überall,
Der Welt zur Qual,
Durchzog des Erdballs Theile
Mit ihm die Langeweile.

Gleichgültig sah der Götter Schaar
Des Alten Müh' und Pein;
Nur Amors zarte Seele war
Nicht fühllos wie ein Stein.
Weg aus dem Saal
Des Himmels stahl
Das gute Kind sich leise,
Und flog hinab zum Greise.

Es fand ihn bald auf rauher Bahn
Und sprach mit holdem Gruß!
"Saturn, nimm meine Flügel an,
Du bist nicht wohl zu Fuß!"
Und schnell beschwingt,
Durchflog verjüngt,
Und rasch wie Phöbus Pferde,
Saturn das Rund der Erde.

Wann er so reiset, dünkt ein Jahr
Uns nur ein Augenblick;
Doch federt oft sein Flügelpaar
Der Liebesgott zurück.
Dann fällt der Greis
Ins alte Gleis,
Und was Minuten waren,
Verlängert sich zu Jahren.

August Friedrich Langbein
Aus der Sammlung Zweiter Band

  
  
  

August Friedrich Langbein   

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