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Fischkönig

An K. J.

Wo sind Namen, die ich gewußt?
Aufschrei hat sie zerrissen.
Einer segelt durch die Brust
Mit meinem grauen Gewissen,
Schwankt auf meinem schweren Sinn,
In sein Licht gestiegen:
Fahre, König, fahre hin,
Laß die Krone liegen!

Die Krone krallt den Grundschlamm fest,
Wurzelt, eine Rüster.
Brachsen funkeln durchs Geäst
In ein altes Düster,
Welse stürzen vom Geäst
Nach beschupptem Raube,
Und der Stichling baut sein Nest
Im getriebenen Laube.

Gleite, König, gleite stromab,
Laß die Flosser sich haschen!
Ich werfe Netze über mein Grab,
Netze ohne Maschen.
Ich will dich fangen als einen Fisch,
Fisch der Sonnenröten;
Schlürfen sollst du Gewell und Gezisch
Mit den Feuerkröten.

Ich hebe dir ein Königreich
Über Schlämmgoldkörner.
Deine Haare wehen Laich,
Spülen Schneckenhörner.
Meine Tiefe spaltet ein Stein,
Den Fäuste hinverstießen.
Da will ich dich setzen, dich allein,
Und die Wasser über dir schließen.

Gertrud Kolmar

  
  
  

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