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Geh’ an die Sonne

Mädel, wo hast du die Tränen her
Und die verblichenen Wangen?
Maienblüte, was blühst du nicht mehr,
Da noch dein Mai nicht zergangen?
Aber ich glaub’s, da´du elend wirst
Mitten in lenziger Wonne -
Mädel, su stehst im Schatten und frierst!
Mädel, geh’ an die Sonne!

Kindern des Lichts wird in Ewigkeit nicht
Dunkel und Dämmerung taugen.
Und du hast ja zwei Wänglein licht,
Hast zwei leuchtende Augen
Und zwei Flechten, die strahlender sind
Als eine goldene Krone -
Mädel, du bist ein Sonnenkind!
Mädel, geh’ an die Sonne!

Ottokar Kernstock




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