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Gruss der Sonne

Aus den braunen Schollen
Springt die Saat empor,
Grüne Knospen rollen
Tausendfach hervor.

Und es ruft die Sonne:
Fort den blassen Schein!
Wieder will ich Wonne,
Glut und Leben sein!

Wieder wohlig zittern
Auf dem blauen Meer,
Oder zu Gewittern
Führen das Wolkenheer!

In den Frühlingsregen
Sieben Farben streun
Und auf Weg und Stegen
Meinen goldnen Schein!

Ruhn am Felsenhange,
Wo der Adler minnt,
Auf der Menschenwange,
Wo die Träne rinnt!

Dringen in der Herzen
Kalte Finsternis,
Blenden alle Schmerzen
Aus dem tiefsten Riss!

Bringt - ich bin die Sonnen -
An das Kerkertor,
Was ihr habt gesponnen
Winterlang, hervor!

Alle finstern Hütten
Sollen Mann und Maus
Auf die Aue schütten,
An mein Licht heraus!

Mit all euren Schätzen
Lagert euch herum,
Wendet eure Fetzen
Vor mir um und um!

Dass durch jeden Schaden
Leuchten ich und dann
Mit dem goldnen Faden
Ihn verweben kann!

Gottfried Keller





 Keller, Gottfried

Gottfried Keller



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