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Ich zeigte dir den Mond - VII.

Gedicht von Arno Holz

Die
blanken, zitterigen,
hurtigen, eiligen, hastigen
Wellchen vor mir
um
unser
anmutig, lauschig, einladend
smaragdgrünes,
hainbuchenbeschattetes, maserbirkenbankstilles
Halbinselchen vorbei,
flinkerten,
flirrten und flitzten;
über
die talmuldig weiten, hügellehnig breiten,
von
Honigbienen, Hummeln, Heuhupfern, Libellen,
Blaufliegen, Käfern und Grillen
summelnden, brummelnden,
surrenden, sirrenden, zirpenden, schrillenden,
von allerhand Spinnentierchen durchkrochenen, von allerlei Ameisenvolk
durchkletterten, von allerart Kribbelzeug durchkrabbelten,
buntblühenden, buntwehenden, buntwebenden, buntschillernden
Juniwiesen,
unaufhörlich, unablässig,
unermüdlich,
in allen Farbierungen, in allen Schattierungen, in allen
Flimmerierungen, in allen Schimmerierungen, in allen Glimmerierungen
spielten,
schaukelten, schwebten, gaukelten,
schwankten,
taumelten, tanzten, tummelten,
fliegflatterten, flugflitterten,
haschten und wiegten
sich
tausende,
tausende und aber tausende
von
Schmetterlingen;
der
hohe, heiße,
lichtglutende, lichttriefende, lichtflutende
Himmel darüber
glänzte.

Du kamst nicht!

Die
Schatten der Erlen
reckten...und...streckten
sich; das
lautlos geschäftige
Faltergespiel
wurde
müder...und...müder;
über die immer stiller werdende Ebene rings
weitete
sich schon, breitete sich schon, spreitete sich schon
der
erste, feinste,
zartlilabläuliche Dämmerungsduftschleier.

Der Abend stieg; die
blasse,
verschwebende, schwüldunstige
Nebelrundferne
färbte sich, langsam,
blaugrau;
aus
den weißen, friedlichen,
silberschaumdampfgetürmten
Nachmittagswolken
wurden
feuerig flammende,
flackernde, funkelnde, lodernde,
lohende Berge mit Burgen!

Meine sorgend sich bangende, meine dürstend verlangende, meine
fiebernde
Sehnsucht nach dir
wuchs.

Wo
bliebst du?

Ich
wartete!

Wartete...und...wartete!

Wie...lange?

Immer wieder
in
die alte, wonnige,
wunderbare
Seligkeitszeit zurück,
herzpochend, leidvoll...erinnerungsschwer
tauchten
meine Gedanken.

Jedes
gemeinsame Doppel-Entzücken, jedes winzigste Zwie-Erleben,
jede
unschuldigst kleinste
Freude
wurde mir, schmerzlich,
wieder wach!

Dich haben! Dich halten! Dich hüten! Dich hegen! Dich
schützen! Dich schirmen!
Dich
liebend umfassen! Dich nie wieder lassen!

War das jetzt wirklich
alles...aus?

Unsichtbar
wie
ersticktes Weinen...wie...trauriges Klagen,
wie
stilles Jammern
klang
unter den Weiden
der Fluß.

Du kommst nicht!

Die
nahe Nacht
durchschauert mich mit ihrer Kühle;
das
Wasser gurgelt;
der
letzte, fahle,
schwele Schwefelstreif drüben
verlischt.

Durchs
Dunkel...neben
mir,
taste ich nach
den nassen, kalten, dornigen, roten,
taufeuchten Blumen.

Sie...sind
tot.

Tot
wie das bißchen kurz verflogene,
wehe,
sinnlos, inhaltslos, ruchlos
gewordene
Glücksjahr, das du mir schenktest,
tot
wie jenes
beste, allerbeste,
wertvollste Stück Selbst von mir,
das ich dir freudigst,
mit
vollen Händen,
vergeudendst, vertrauendst, verschwendendst,
verschleuderischst
aus
meinem
innersten Inneren
gab!

Tot
wie mein Glauben,
tot
wie mein Lieben...tot...wie mein Hoffen!

"Ex est...voluptas!"

Ich
durchstrebe...die...Finsternis.

Dein
schwaches, schwankes,
launisch
wetterwendisches Wankelgemüt
dreht sich
jetzt
einem anderen
zu;
deine
kranke, irre...wirr...geleitete
Flatterseele
gehört
mir nicht mehr;
dein
hartes, dein treuloses, dein unstät
undankbares
Herz
hat mich auf...immerdar
vergessen!

Arno Holz
Aus der Sammlung Zwölf Liebesgedichte





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