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Ich zeigte dir den Mond - VI.

Gedicht von Arno Holz

Noch
gestern, als ich
nach qualvollen Wochen, nach
mir an dir fremden, mir nicht mehr faßbaren, mir an dir
völlig
unverständlichen
Dingen,
nach
beinahe tagtäglich
friedfreudlosem wie ... Aneinandervorbei
dich endlich ruhig, dich endlich
eindringlichst, dich endlich inständigst
ausfragte, ausforschte,
bestürmte,
bat und beschwor:
"Was ... ist dir? Was hast du? ... Was
tat ich dir
nur?
Habe ich
dich durch irgendetwas
unabsichtlich, gedankenlos, unbesonnen
gekränkt,
beleidigt oder verletzt?
Habe ich
dir
versehentlich,
ohne es im geringsten
zu wissen ... und ... zu wollen,
mißverständlich,
ahnungslos, irgendwie, unbedacht
irgendein
Unrecht zugefügt?",
als
ich flehend in dich drang:
"Du ... bist nicht mehr wie früher! Du ... bist
anders zu mir!
Sag's
mir ... doch!",
als
du dich, schluchzend, mir in die Arme
warfst,
fassungslos,
(ich verstand dich nicht)
mit
bleichem,
verstörtem, tränenüberströmtem
Gesicht klagtest du dich vor mir
an:
"Ich war
so
schlecht, so häßlich
zu dir!
Verzeih! Vergib!
Du
weißt es, du glaubst es, du ahnst es
ja nicht,
wie
totunglücklich ich oft
bin!
Ich begreife mich manchmal nicht mehr selbst! Ich
wollte wirklich nicht länger leben,
wenn du
mich
nicht noch ein ganz, ganz, ganz klein wenig
lieb
hättest!"

Deine
Schultern zuckten, deine Lippen zitterten,
deine Kniee wankten, deine Augen schlossen sich dir, deine Stimme
brach.

Ich
stand vor deinem reuigen Schmerz erschüttert!
Ich fühlte mich deiner innersten Liebe wieder so tiefsicher! Ich
zweifelte an deinen Worten auch nicht einen
einzigen Augenblick!

In
deinem
weißblauen, luftigen, lichtleichten
Vergißmeinnichtkleid,
wie
an jenem ersten Mal,
versprachst du zu kommen!

Ich
sollte
dir glauben und vertrauen.
Du wolltest dich nie wieder kalt von mir wenden! Du wolltest
mir nie wieder weh tun!

Alles,
alles, alles
sollte wieder werden,
wie es war!

Ich
hoffte und harrte!

Und...heute?

Heut?

Freudig,

bangend, erwartend, verlangend,
auf- und nieder-, immer wieder hin- und
herschreitend, unruhevoll,
schon
bevor die Stunde schlug,
sah ich
nach dir aus!

Arno Holz
Aus der Sammlung Zwölf Liebesgedichte





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