Ich zeigte dir den Mond - III.Gedicht von Arno HolzDurch raschelndes...Herbstlaub...im Sonnenschein,
hinter jenem versteckten Rotdornwäldchen,
aus dem einmal
an
einem frühen,
unvergessenen, blendend sonnenblauen
Junitag
(wirre, flirre, schwirre
Hitzwellchen
wellten,
die winzig schmalen, lichten, sanftgebogen harten Birkenkätzchen, die
uns
wehend streiften,
schienen uns weicher
als aus
Seide und Samt,
grüngrau
feine, klitzekleine,
amaranten ziere Zittergrasherzchen
bebten,
schwankten und wankten,
die stolzen, weißen, anmutig, lieblich, holdselig goldäugigen Sternblumen
standen,
strahlten und leuchteten,
durch alles, berauschend, durch alles
berückend...durch alles...beglückend,
immer wieder
nur
ein und
derselbe,
nahfern tiefe, trunken
glühe,
glockendunkle, schwärmerische
Jubelton)
schmelzend, schmachtend, schluchzend,
lockend, frohlockend,
inbrünstig,
Stunden und Stunden
lang,
unsichtbar eine irre Amsel schlug,
suchten wir
nach unserem verwunschenen,
wild
verwachsenen,
von Duft betäubend
wie
übersprühten, über, über und über überblühten,
weltentrückten,
weltverlorenen, weltverträumten
Rosenrondeel,
das uns schirmend, das uns schützend, das uns
segnend, gnadend,
benedeiend
in
unserem höchsten...Glück umschlossen!
Wir fanden es.
Die
kriechenden, kletternden, grünglanzblätterigen
Efeuranken
um die unförmigen, bröckelnden, tuffsteingrauen Sandsteinbalustraden
blinkten
noch;
aus der
zackenrissig zerborstenen, dickbauchigen, umgestürzten Basalturne
unter
flachkrautig, laschlappig, kraussägig
feuchtwucherndem
Löwenzahn,
traubigen, büscheligen, purpurnen
Berberitzen
und
blassen, niederen,
duftmattmüd, spärlich, spätblühend
septemberlichen
Veilchen
wand sich noch die Porphyrflamme;
das
freche, geflügelte, splitternackte Bübchen,
auf dessen
graziös, elegant,
zielend
zurückgezogenem Ellenbogenspitzchen
damals zierlich
ein
schwarzgelbstirnfleckiges, rotkugelröckiges, wunderliebstscheckiges
Siebenpunktkäferchen
gesessen,
legte,
noch immer schalklistig
blinzelnd,
das
rechte, prallwadig quappe, halsbrecherisch erhobene
Beinchen
mit
stupend unwahrscheinlicher Gelenkigkeit noch immer
grotesk um das linke, leicht vorgeknickte, burlesk
grübchenumknitterte
Kniekehlchen gezwirbelt,
das
verschmitzte, lustige, breitgequetschte Pausbackengesichtchen
schon halb verwittert,
noch immer
den
abgestupst stumpfen, moosbefiederten,
jetzt
mit einem
unschuldig flinkernden, zitternden, blinkernden Tautröpfchen
behangenen
Pfeil auf.
Wir küßten uns!
Aus dem flammenden, brennenden, glutroten Hagebuttenrund,
auf
einem lichtlila,
schlanktulpigen, blätterlosen
Blütenkelchteppich,
umspielt
von
hauchzarten,
ziehenden, fliegenden, fliehenden,
silberigen
Mariengarnfäden,
glitzerte...die...Rasenbank.
………. Arno Holz Aus der Sammlung Zwölf Liebesgedichte |


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