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Ich zeigte dir den Mond - II.

Gedicht von Arno Holz

Ein
großer, ernster,
mystisch
dunkelpurpurbrauner
Trauermantel,
mit
schlanken, spielerischen, tastsuchenden Psychefühlern, zartem, tupfendem, spaßdrolligem Rollrüssel
und
atmend,
zuckend, tuckend
weitauseinandergespreiteten,
zackig, eckig, schwefelgelb gesäumten, bläulich, streifig, lichtpunktig glimmenden Schwingen
sich
immer wieder mitten vor uns auf den Boden setzend, immer wieder
dicht vor uns aufflatternd,
lockte uns,
wie
verzaubert, wie sphinxisch, wie pfadweisend,
feierlich,
durch
eine enge, lange,
in
graugrünen Windungen
sich
senkende
Teufelszwirnschlucht,
in
die wir uns noch nie
verirrt hatten,
taumelnd sich tummelnd,
abseits,
immer wieder
weiter,
weiter...und...weiter.

An
einer letzten,
wirrblätterig verästelten,
fast
betäubend duftenden Holunderbuschbiegung,
die uns mit ihren vielverstielt
flachen,
gastlich, festlich,
juwelenkäferchenüberfunkelt, staubfädchenfeinflinkerüberwirrwarrt,
weißgrünlich schwebenden,
überanderthalbhandbreiten Blütendoldenriesentellern
den ganzen Ausblick noch zuerst versperrte,
plötzlich,
entschwand er!

Wo
waren wir?

Aus
einem verlorenen
Grund,
in dem sich einsiedlerisch
ein merkwürdig, spiegelglatt, bläschenperlend friedsames,
florfliegenumschwirrtes, libellenübersirrtes,
blankheimeligverträumtes, grauerlenumsäumtes,
verschwiegen regungsloses,
sonderbar eirundes Schilftümpelchen sonnte,
zwischen
Klatschmohn, Augentrost, Bienensang, Storchschnabel, Taubenkropf, Wicken,
Wolfsmilch, Kuckucksnelken
und
schlanken, edelen,
märchenhaft,
rosettenszepterig, silberflimmerig, rispentraubenblütig,
grellgoldgelb
ragenden Königskerzen
schlängelten,
wirrten und äderten
sich
die schrägen, regenrillig abschüssigen, kleeköpfchenüberkucknickten Steilhänge hoch
lauter
vergessene Wege.

Sie
führten alle...in den Himmel!

………..

Arno Holz
Aus der Sammlung Zwölf Liebesgedichte





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