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Ich zeigte dir den Mond - I.

Gedicht von Arno Holz

Ich
zeigte dir den Mond
durch einen Frühlingsbaum.

Jede Blüte, jedes
Blättchen
hob sich aus seinem Glanz.

Jede
Blüte, jedes Blättchen
schimmerte.

Flimmernde Wiesen; Nebelglast;
lichtdämmernde
Weiten;
dunkele, fern verstreute, magisch glimmende Trauminseln
und
dazwischen
ein
feinschmalhin sich verschlängelndes, immer wieder heimlich aufblitzendes,
seliges
Silbergegleiß!

War
das noch...die...Erde?

Beide Arme
schlangst du mir um den Hals!

………..

Unter
jubelnden Feldlerchen,
durch Sommerduftblau, aus
sanft
geballtem Wipfelgrün,
über
wallend sich wiegendem, schlankhalmig sich biegendem, wogend sich
schmiegendem,
leisrauschend reifendem,
vollährig, dickkörnig, langgrannig
mannshohem, gelbem, blumendurchblühtem
Korn
grüßte uns mit seinem grauen,
schlichten,
schindelgedeckten Tannenholzbretterturm,
auf dem sich der rostbraune,
windverknickt krumme, ehemals goldblecherne Posaunenengel
schon längst
nicht mehr drehte,
das
alte, lehmgeduckt, moosdächerig, talversteckt stille,
kuschelig
kleine,
freundliche, friedliche
Schwarzpappelaudörfchen,
das uns so lieb...geworden war.

Wir gingen Hand in Hand.

Vom nahen Wald
her,
schmeichlerisch...ab und zu,
umfächelte uns...ein...lind erfrischendes,
letzend labendes, wohlig kühlendes
Lüftchen;
scheue, zage,
flatterliche, spielerische,
vorwitzig, neckisch, naseweis
kecke
Zephirwölkchen,
sich
bildend, verweilend, sich ballend, enteilend,
sich
lösend,
verteilend,
fliehend, wandernd, ziehend
durch den
fernhoch, fernweit, ferntief
ewigen,
lasurenen, ätherischen
Azur,
koslaunig,
wie
scherzend, wie tändelnd, wie schäkernd,
von
Zeit zu Zeit,
überhauchten, überglitten,
überschnäbelten
uns
mit ihren...Schatten;
unter deinem wellenden, wippenden, nickenden Ährenkranzhut,
kaum spürbar,
hie und da,
wie
heimliches, wie herrliches,
wie
köstlichstes...Verheißen,
wie
zitterndes, wie herzklopfendes, wie süßestes
Seligkeitsahnen,
wie
himmlisches, wie überirdisches, wie keuschestes
Glücksversprechen
berührte...mich dein Haar.

Arno Holz
Aus der Sammlung Zwölf Liebesgedichte





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