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An den Künstler

Ob du auch bilden magst, was unvergänglich
  Durch alle Zeiten wandeln soll und glänzen,
  Doch wird dich die, in der du lebst, nicht kränzen,
Sie wird dir trotzen, stumpf und unempfänglich.

Die Menschheit, schon an sich so unzulänglich,
  Kann sich in ihren enggesteckten Grenzen
  Nicht einmal aus dem Zauberquell ergänzen,
Der aus ihr selbst hervorbricht, überschwänglich.

Beklage es, doch einzig ihrethalben,
  Die mit dem Nicht-Genießen dies Verkennen
    Zu teuer büßt, und nimmer deinetwegen;

Denn, wollte sie dich gleich zum König salben,
  So würden dich die Zweifel nicht mehr brennen,
    Durch die du zahlst für aller Götter Segen.

Und ob mich diese Zweifel brennen müssen?
  So rufst du aus und möchtest es verneinen,
  Auch mag der Frost dir unerträglich scheinen,
Der oft dich schüttelt bei der Muse Küssen.

Doch sprich: wenn deinen schöpfrischen Ergüssen,
  In denen alle Wonnen sich vereinen,
  Die Schmerzen fehlten, stünden nicht mit Weinen
Die Brüder fern so einzigen Genüssen?

Drum nimm sie hin, die Ungerechtigkeiten
  Der Welt, die dir die Lust des Daseins trüben
    Und bittern Zwiespalt in dir selbst erwecken.

Sie sind bestimmt, von Anbeginn der Zeiten,
  Die höhere Gerechtigkeit zu üben
    Und einen Zwiespalt größrer Art zu decken.

Friedrich Hebbel





Friedrich Hebbel

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