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Gedichte » Ernst Goll » Im bitteren Menschenland. Nachgelassene Gedichte. » Tiefes Glück


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Tiefes Glück

Menschenwege gehen kreuz und quer,
Dornen ranken sich darüber her.

Wer ein stilles Lächeln erbt, bezahlt
Es mit hundert heißen Tränen bald.

Wer ein hohes Ziel erkämpfte, weiß:
Angst und Müdewerden sind der Preis –

Aber auf den bittren Wegen gehn
Wir im blassen Lindenblütenwehn,

Fühlen jene Dornenranken nicht,
Suchen eins im andern Aug das Licht,

Das aus heiliger Erkenntnis quillt:
Alle Sehnsucht hab ich dir gestillt, --

Ahnen gläubig, dass uns Raum und Zeit
Liebe wandelt zur Unendlichkeit,

Grüßen alle, die uns stumm begegnen,
Segnen alle, die uns wieder segnen . . .

Selig, selig, wer im Menschenland
Wunschlos gehen kann und Hand in Hand.

Ernst Goll
Aus der Sammlung Im bitteren Menschenland. Nachgelassene Gedichte.





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