Tiefes GlückMenschenwege gehen kreuz und quer,
Dornen ranken sich darüber her.
Wer ein stilles Lächeln erbt, bezahlt
Es mit hundert heißen Tränen bald.
Wer ein hohes Ziel erkämpfte, weiß:
Angst und Müdewerden sind der Preis –
Aber auf den bittren Wegen gehn
Wir im blassen Lindenblütenwehn,
Fühlen jene Dornenranken nicht,
Suchen eins im andern Aug das Licht,
Das aus heiliger Erkenntnis quillt:
Alle Sehnsucht hab ich dir gestillt, --
Ahnen gläubig, dass uns Raum und Zeit
Liebe wandelt zur Unendlichkeit,
Grüßen alle, die uns stumm begegnen,
Segnen alle, die uns wieder segnen . . .
Selig, selig, wer im Menschenland
Wunschlos gehen kann und Hand in Hand. Ernst Goll Aus der Sammlung Im bitteren Menschenland. Nachgelassene Gedichte. |