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Die Sonne.

Im leuchtenden Gewande,
So majestätisch, mild,
Erscheint aus fernem Lande
Der Sonne Götterbild.
Die dunkle Nacht verschwindet,
Der Leidende empfindet
An ihrer Mutterbrust
Die reinste Himmelslust.

Der Hoffnung milden Schimmer
Ruft sie ins Herz zurück;
Ja Segen bringt uns immer
Ihr wonnevoller Blick.
Wenn ihre holden Strahlen
Der Rose Purpur malen,
So tönt ein Freudenwort:
Der gute Gott lebt fort.

Von ihm zur Welt gesendet
Ist auch der Sonne Licht;
Von seinen Kindern wendet
Des Vaters Huld sich nicht.
Er, der den Sperling weidet,
Des Feldes Lilien kleidet,
Sieht auch auf uns herab. --
O hoffnungsvoller Stab!

Es hebt zum Sternenglanze,
Vom Sonnenstrahl berührt,
Ihr Haupt die stolze Pflanze,
Die bunt die Fluren ziert.
Des großen Schöpfers Güte
Gießt Leben in die Blüte,
Un seine Allmacht preist
Im Stillen oft mein Geist.

Wenn aus den grünen Zweigen
Die süße Frucht uns lacht,
Sich stolz die Äste beugen
In ihrer goldnen Pracht;
Dann ist's die Sonn', die hehre,
Die aus dem Sternenmeere,
Vom weisen Gott gelenkt,
Sich auf die Bäume senkt.

Wenn mit des Frühlings Walten
Im ersten Sonnenschein
Sich Erd- und Luftgestalten
Des frohen Daseins freun;
Es ist des Schöpfers Liebe,
Die in des Tieres Triebe
Der Freude Funken legt.
Und es zur Luft bewegt.

Sinkt auch die Sonne nieder,
Wenn sie vollbracht den Lauf;
Verherrlicht steht sie wieder
Am neuen Morgen auf.
Und junge Blumen sprossen,
Vom Ätherglanz umschlossen;
Es jubelt die Natur,
Zeigt sie ihr Antlitz nur.

Ob wohl des Menschen Leben
Nicht ihrem Bilde gleicht,
Wenn es mit ernstem Streben
Des Wohltuns Ziel erreicht?
Dann glänzt er gleich der Sonne,
Verbreitet Licht und Wonne:
Des Bruders Wunde heilt,
Wo er nur liebend weilt.

Mag sinken dann die Hülle,
Weil hier doch nichts besteht!
Ein Stern glänzt dort in Fülle,
Der nimmer untergeht;
Es muss in Grabeshallen
Der kalte Leib auch fallen,
Bis aus der dunklen Gruft
Verklärt ein Gott ihn ruft.

Luise Egloff






Luise Egloff

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