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Leben

Leben, wie ich's wend' und wäge,
Immer bleibt der alte Schluß:
Lieber deine härtsten Schläge
Als des Todes weichsten Kuß.

Jedem läßt du Sterne funkeln,
Diesem hell und jenem bleich.
Nur das Grab ist stets im Dunkeln,
Siegern und Besiegten gleich!

II.

Die dunklen Nächte lobt der Tag
Und weiß nicht, was er lieber mag.
Aus seines Lärmens Fülle
Begehrt er nach der Stille.

Das lichte Leben lobt den Tod.
Und als mein Mund noch jung und rot,
Schrie er nach ihm voll Sehnen,
Schuf nur ein Dorn mir Tränen.

Wie muß ich nah nun sein dem Grab,
Da sich mein Herz dem Leben gab,
Und ich in Weh und Jammer
Es also fest umklammer'! ...

III.

Der Mund des Lebens hat brennend auch mich geküßt.
Doch hab' ich früh mich an kühle Gräber geschmiegt;
Weil mehr des Lebens, als auf der Erde ist,
Unter der Erde begraben liegt.

Die Freundschaft des Todes sucht' ich in früher Zeit.
Das Leben läßt uns, wenn wenig Jahre verronnen.
Doch die bei ihm sind, bleiben in Ewigkeit;
Die Nacht ist treuer als alle wechselnden Sonnen.

All unsere Wege führen zum Schlafwirt Tod,
Des Lebens Leiche wird dort der Schlummernden Kissen;
Wozu das Jauchzen der Lust und der Schrei der Not,
Wenn wir doch alle dorthin gelangen müssen?

Als ich das Leben in Arme der Inbrunst nahm,
Hörte ich Spaten, die grabend von ferne mir drohten.
Nur um das Sterben ward ich dem Leben gram
Und dem Tode ein Freund.
            Unsterblich sind nur die Toten! ...

Georg Busse-Palma
Aus der Sammlung Leben





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