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Sonne!

Sprüche. Spruchgedicht von Otto Julius Bierbaum

  Nach langen Nebelwochen voll kaltem Schattengrau heute der erste Tag, da sich der Himmel hellt, die Sonne wieder scheint, das heilige Licht des Lebens.
    Ich erkenne Dich, gütige Gottheit, und meine Augen beten Dich an mit hellen Blicken, im Lichte beten sie das warme Leben an und saugen seine gütigen, goldenen Strahlen ein mit Kindeswollust, das an der Mutterbrust Nahrung aus heiligem Leibe saugt.
    Also trink ich mit strahlenden Augen den Gnadenstrom unerschöpflicher Werdenskräfte mit Lust, der von der Sonne, dem heiligen, liebeflammenden Leibe kommt.
    Lebensgluth-schürender Feuerwein sind die goldenen Strahlen der Sonne, und der begnadete, betende Trinker taumelt im Herzen begeisterten Tanz, ob auch sein Fuss bedächtig hin über der Erde rauhen Rücken geht, denn seine Seele ist auf der Sonne, denn seine Seele brennt in den Gluthen lebenschenkender Güte.
    In der seligsten Liebesbrunst brennt sie, tanzgewirbelt ein stäubender Funken in dem riesigen Sonnenfeuer, sie, auch sie ein jauchzendes Flackertheilchen der grossen Liebeslohe, die in die kreisende Dunkelheit ihre lebenanfachenden Fackeln reckt.

Otto Julius Bierbaum
Aus der Sammlung Erlebte Gedichte





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