|
|
|
Verwandte Gedichte |  Lohenstein, Menschenwerth
 Baumgartner, Testergebnis
 Freiligrath, Zwei poetische Episteln (I)
 Bierbaum, Umschlag
| | |  | MenschenwerthDaniel Casper von Lohenstein
Gott, dessen Webekunst die Lydier beschämet,
Vor der Minervens Hand nur Spinnenweben macht,
Hat, als er 's Himmels Tuch mit Sternen übersämet,
Zwar solche Bildungen in sein Geweb' gebracht,
Die kein Phönizier hat jemals nachgesticket,
Die kein Chäldäer kennt, kein Zeuxis malen kann;
Er hat auch das Gewand der Erde so geschmücket,
Daß Augen und Vernunft es sehn erstarrend an.
Allein sein Meisterstück übt unsers Künstlers Güte,
Wenn er im Mutterleib' uns Menschen webet aus,
Wenn er im schönen Leib wirkt ein verschmitzt Gemüthe
Und die so große Welt bringt in dies kleine Haus.
Der Adern Fäden und die Bänder der Gebeine,
Des Fleisches zartes Garn, der Umschlag unsrer Haut
Sind, wie Tapezerei voll Perl' und Edelsteine,
Vereinbart, daß Gott selbst Lust an dem Werke schaut.
An diesem Teppiche des schönen Leibes findet
Der Mensch Nichts, was von ihm noch auszumachen sei;
Denn was nach der Geburt den Gliedern noch erwindet,
Das setzt Zeit und Natur, des Schöpfers Dienstmagd, bei.
Allein dem andern Blatt an diesem Kunstgewebe,
Der Seele, pflanzet Gott nur das Vermögen ein,
Daß sie durch eigne Müh' sich Werth und Güte gebe,
Und heißt des Menschen Geist selbst seiner Schöpfer sein.
Damit der Mensch auch weiß, was er für Bilder sticken
Soll in das ihm von Gott so schön gewebte Tuch,
So läßt er die Vernunft mit ihren Augen blicken
In 'n Spiegel seines Worts, in der Natur ihr Buch.
In beiden aber steht Gott selber abgemalet,
Nach dem sein Ebenbild, der Mensch, sich bilden soll.
Wer mit dem Schatten nun nur dieses Bildes prahlet,
In ein vollkommen Werk, gefällt dem Höchsten wohl.
Der große Gott verschmäht Apellens große Künste,
Das Thun des Phidias, Gold, Marmor, Elfenbein
Und das in Purpurblut getauchte Wurmgespinnste,
Weil er in 's Menschen Geist nur will gepräget sein.
Den aber prägt der Mensch, wenn er die Tugend übet,
Durch Andacht sich zu Gott zu schwingen ist bemüht,
Nach Wissenschaften strebt, die Weisheit herzlich liebet;
Denn dies macht zwischen Mensch und Vieh den Unterschied.
Durch dieses kann ein Mensch ein Halbgott hier auf Erden,
Des Vaterlandes Licht, ein Pfeiler seiner Stadt,
Ein Schutzbild eines Volks, der Nachwelt Vorbild werden,
Nach dessen Muster sie sich nachzumalen ...
Lesen Sie den gesamten Text (43 Zeilen)
Ähnliche Gedichte entdecken
|

Daniel Casper von Lohenstein
|
|  | TestergebnisIngo Baumgartner Um Viruseinfluss auszuschließen,
Muss Karl zum Bluttest ins Labor.
Die Sache will ihn arg verdrießen,
Er stellt sich sarggebettet vor.
Ein kleiner Nadelstich, Kompresse,
Im Warteraum ein Magazin,
Dann reicht man Karl mit Arztadresse
Den Umschlag mit Ergebnis drin.
Nervös, den bleichen Tod vor Augen,
Verlässt er wankend das Gebäude.
Ein bisschen Nachschau’n könnte taugen,
Denn möglich ist auch Grund zur Freude.
So öffnet er mit zager Hand
Das Briefchen, hält’s beim Lesen schief,
Verliert an Haltung und Verstand.
Die Werte – rundum negativ.
Text von Baumgartner drucken
Ähnliche Gedichte entdecken
|

Ingo Baumgartner
|
|
|  | Zwei poetische Episteln (I)Ferdinand Freiligrath
An Joseph Weydemeyer
1.
London, den 16. Januar 1852
Die Muse, willst du, soll zu raschem Fluge
Den Renner schirren und nicht länger träumen;
An deiner Pforte, wünschest du mit Fuge,
Soll mein versprengtes Flügelroß sich bäumen;
Ach, »lieber Freund und Redakteur« (wie Ruge
An Heinzen schreibt) zum Satteln und zum Zäumen
Des allzeit mut'gen, wenn auch arg gehetzten,
Sind wahrlich schlechte Zeiten diese letzten.
Deutlich zu sein: Du hörtest von den Taten,
Die zu Paris verrichtet Bonaparte!
Der Biedre zählt nun zu den Potentaten,
Und der Messias, den die Welt erharrte,
Der rote Mai, ward von den Herrn Soldaten
Im Mutterleibe schon gewürgt: – Erwarte
Bei so bewandten kitzlichen Geschichten
Ein Lied von mir, o Teuerster, mit nichten!
Keins wenigstens, das tollkühn prophezeite,
Wie ich vordem zu prophezeien pflegte,
Als (Ein Exempel nur!) von allem Streite,
Der achtundvierzig froh die Welt bewegte,
Ich sechsundvierzig schon in ep'scher Breite
Ein treues Bildnis ihr zu Füßen legte,
Und später dann, als Sieg durch Deutschland gellte,
Warnend den Umschlag auch vor Augen stellte.
Wie damals zwar, so hab' ich jetzo auch
Von dem, was sein wirk, allerlei Gesichte;
Bin ich zu Haus doch, wo bei jedem Strauch
Ein Spoikenkieker steht und Vorgeschichte
Sieht und doziert im fahlen Heiderauch –
Doch wolle nicht, daß diesmal ich berichte,
Was sich mir dargestellt: die Sachen liegen
Dennoch verzwickt – der Beste kann sich trügen.
Und darin, ich gesteh' es, bin ich eitel,
Ungern, höchst ungern möcht ich mich blamieren,
Ungern, höchst ungern von der Dichterscheitel
Des Prophezeiers Lorbeerkranz verlieren!
Ich bin nicht, wie die Herren, die mit Beutel
Und Schwert bis überm Ozean hausieren;
Die bei den Negern selbst nach »Heu« und »Moos« gehn,
Leichtsinnig sprechend: »Morgen kann es losgehn!«
»Kann – heißt das: wird! – Ja doch, schon Februar,
(Warum denn Mai erst?) wird es sich begeben!
Wir zelebrieren auf den Tag dies Jahr
Das alte durch ein neues Schilderheben!
Doch – Bürger, Freunde, Brüder! – Eins ist klar:
Der Nerv der Dinge noch fehlt unserm Streben;
Einzig der Dollar hilft ihm auf die Beine: –
Ihr wünschtet, Brüder, wie viel Int'rimsscheine?
»Wohl garantierte! Zwar, die Nation
Gab kein Mandat uns, Anleih'n auszuschreiben:
Indes, die Gute muß bestät'gen schon
(Im Februar!) und darf nichts hintertreiben!
Denn unser wird die Revolution,
Die zweite, sein und – unser wird sie bleiben –
Schon, weil die erste wir (wie unbestritten!)
So wunderschön Verfahren und verritten!
»Schon teilten wir die Stellen brüderlich;
Bereit ist alles – bis auf euren Segen!
Drum in die Tasche greife jeder sich:
Wer seinen Beutel zieht, der zieht den Degen!
Es ist so gut, als trotzt' er Hieb und Stich,
Als hielt er Stand im ärgsten Kugelregen!
Er ist, wie wir, Held und Apostel eben–
Und alte Sünden gar sei'n ihm vergeben!«
O Tezel, Tezel! Nicht durch Ablaßzettel
Wirfst du der Freiheit Feinde übern Haufen!
Kein Thron annoch fiel nieder durch den Bettel!
Die Revolution läßt sich nicht kaufen!
Du machst das wilde, stolze Weib zur Bettel;
Von Tür' zu Türe lässest du sie laufen,
Den allzeit off'nen Ranzen um die Lenden,
Und den bekannten Teller in den Händen!
Das ist die Hohe nicht, die wir verehren!
Die liegt zur Zeit gebunden und im Staube,
Die ballt die Faust auf mod'rigen Galeeren,
Zerweht das Haar, zerfetzt die Phrygerhaube;
Die trägt am Leibe Wunden, Striemen, Schwären,
Die kann dir sagen (kalt und kühl, das glaube!),
Wie heiß die, Sonne Nukahiwas brenne,
Und »wo der Pfeffer wächst,« – der von Cayenne!
Die schweift allein mit sich und ihrem Zorn;
Achtlos, ob man sie lobt, ob man sie schmäht!
Die setzt von ihrem Haupt nicht Dorn um Dorn
In Taler um und Popularität!
Der ist ihr Elend nicht der Wiesenborn,
An den: sie lächelnd, ein Narzissus, steht
Und Toilette macht. – Wie? – C'est selon:
Bald für die Kneipe, bald für den Salon!
Die wimmert nicht, zum Nutzen und zum Frommen
Der Republik, mit Kandidaten-Stimme;
Die wartet still, bis ihre Zeit gekommen –
Und dann erhebt sie sich mit Löwengrimme,
Und nimmt sich wieder, was man ihr genommen,
Und, ob das Estrich auch im Blute schwimme,
Sie wandelt fest auf den zerriss'nen Sohlen –
Denn ihre Schnellkraft liegt nicht in Obolen!
Denn – aber halt! wohin, o milde Leier,
Verirrst du dich? Ich wollte ja nur sagen,
Daß ich als Wecker und als Prophezeier
Nicht dienen kann in diesen letzten Tagen;
Doch daß ich gern, o Freund und Weydemeyer,
(Wenn anders meine Verse dort behagen)
Durch minder kühne Lieder und Berichte
Dein jugendliches Feuilleton verpflichte.
Als zum Exempel: – Literatur und Kunst
Stehn jetzt in Deutschland wieder sehr im Flore;
Um Rhein und Elbe mit erneuter Brunst
Lobsingt Apollo samt der Musen Chore;
Manch' edler Sänger freut sich hoher Gunst;
Lyrik und Drama ziehn durch gold'ne Tore
Heim zu den unsern; breit und pachterlendig
Pocht der Roman auch an, dreimal dreibändig.
Wie wär' es, Freund (und Redakteur), wenn diese
Und andre Dinge manchmal wir besprächen;
Wenn wir daheim auf der beblümten Wiese
Hier einen Speer, dort eine Dolde brächen
Wenn wir gelassen (niemals mit Malice!)
Nach jedes Strohmanns hohlem Wanste stächen,
Der übern Weg tappt mit den plumpen Fersen –
Natürlich, alles in den schlanksten Versen?
Die Sache scheint dir ...
Lesen Sie den gesamten Text (148 Zeilen)
Ähnliche Gedichte entdecken
|

Ferdinand Freiligrath
|
|  | UmschlagOtto Julius Bierbaum Sturm ist dem Frühling gefolgt
Und grauer Regen.
Wie ein niederes Bleidach steht der Himmel.
Sonne, wo bist du, flammende Sonne des
Frühlings!
Alle Hoffnung wehte der Sturm hinweg,
Jagte sie fort wie das tiefe, leuchtende
Blau des Himmels, auf dem verliebte
Schäfchenwolken in engem Reihen
Heiter wandelten.
Grau, grau, grau...
Siehe, sein Riesenpanier
Pflanzte der Tod in den Lenz.
Träge schwankt, breit über die Erde hin,
Dein gewaltiges Banner, Verderber,
Hüllt in kalte Schatten uns ein.
Leise und dicht über mein Herz
Zieht sich der Flor des Grams.
Schlafen, schlafen, träumen von sonnigem Blau
Träumen vom seligen, schönen Lenz,
Träumen von zwei braunen,
Seligmachenden Augen!
Text von Bierbaum drucken
Ähnliche Gedichte entdecken
|

Otto Julius Bierbaum
|
|
|
|
|